Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 11. Die Namenlose aus der Seine



Erster Eindruck: Ermittlungen und Verfolgungen in Paris

Zunächst klingt es nicht nach einer Staatsaffäre, sondern nach einem zwar mysteriösen, aber harmlosen Fall: In Paris ist eine verwirrte junge Frau aufgetaucht. Dennoch wird Oscar Wilde als Sonderermittler in die französische Metropole geschickt, denn es soll sich um niemand anderen als die Tochter des Präsidenten handeln. Doch auch finstere Mächte haben Interesse an der jungen Frau und wollen das Land einmal mehr ins Chaos stürzen..

Nachdem in der vorigen Folge ein weiteres Mitglied des Zirkels der Sieben vorgestellt wurde, hält sich „Die Namenlose aus der Seine“ auffällig zurück, was dieses Thema angeht. Denn auch wenn der finstere Geheimbund natürlich Erwähnung findet, in direkte Erscheinung tritt keines der Mitglieder. Das tut der Spannung keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Handlung ist sehr kurzweilig und mit so einigen Actionszenen versehen, zumal im mittlerweile typischen Stil der Serie auch eine mysteriöse Stimmung entsteht. Das Rätsel um die verschwundene Präsidententochter ist mit einem gelungenen Gedankenspiel verknüpft, das bestens zu der Serie passt. Und noch ein weiterer Aspekt in dieser Folge ist bemerkenswert: Die sehr interessante Bindung zwischen Wilde und der faszinierenden Fremden, die sich emotional sehr annähern. Das wirft einen neuen Aspekt auf Oscar Wilde, der sonst eher für amouröse Ausschweifungen bekannt ist. Das Finale ist dann schlichter erzählt als man es vorher vielleicht erwartet hätte, doch dieser passt gut zu der dynamischen und kurzweiligen Handlung. Eine runde und hörenswerte Folge, die ein gelungenes Zwischenspiel zwischen den ganz großen Dramen der Serie ist.

Sascha Rotermund liefert als Occar Wilde wieder eine ebenso ungewöhnliche wie treffende Leistung als Oscar Wilde ab. Seine oft snobistisch und exzentrisch überspitzte Art kommt dabei ebenso gut zur Geltung wie seine sanfte, empathische Art. Julia Fölster präsentiert sich einmal mehr als sehr ernstzunehmende und gereifte Hörspielsprecherin, klingt geheimnisvoll und sehr eindringlich in der Rolle der Madeleine. Till Hagen passt als Professor Arronait ebenfalls sehr gut in die Handlung und setzt seine sprecherische Erfahrung sehr zielgerichtet ein. Weitere Sprecher sind Holger Löwenberg, Alexander Turrek und Matthieu Carriere.

Die akustische Gestaltung der Folge hat mir ein weiteres mal bei dieser Serie gut gefallen. Die einzelnen Szenen sind individuell gestaltet und zeichnen den Spannungsbogen der Handlung gekonnt nach. Dabei sorgt insbesondere die Musik für eine gekonnte Ausstrahlung, die Geräusche sind insbesondere während der Verfolgungsszenen sehr lebendig inszeniert.

Das Cover zu dieser Folge mutet künstlerisch und mystisch zugleich an. Eine verwaschene Frauengestalt wurde als Titelmotiv ausgewählt und scheint ganz als Wellen zu bestehen, wobei auch die kühle Farbgebung einen gelungenen Kontrast zu der sonst erdigen Gestaltung ist. Wie immer gibt es auch hier schon auf der Rückseite der Hülle die Übersicht der Sprecher.

Fazit: Schnell baut die Folge eine geheimnisvolle Stimmung auf und führt diese konsequent weiter. Dabei punktet das Mysterium um die titelgebende „Namenlose aus der Seine“ mit einigen spannenden Actionszenen und einer sehr interessanten Hauptfigur. Schön, dass Wilde hier noch einmal andere Seiten von sich zeigt und ein weiterer Aspekt der Serie einfließt.

VÖ: 29. September 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5466-5