Märchen-Klassik – Hänsel und Gretel / Rotkäppchen



Erster Eindruck: Geschichten aus dem tiefen Wald...

Die Not ist groß bei einer kleinen Holzfällerfamilie, Vater und Stiefmutter wissen nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Und so entschließen sie sich, Hänsel und Gretel im Wald auszusetzen, die den Weg nach Hause nicht mehr finden... (Hänsel und Gretel)
Um der kranken Großmutter eine Freude zu machen, wird Rotkäppchen mit Kuchen und Wein in ihr einsam gelegenes Haus im Wald geschickt. Doch dabei begegnet sie dem Wolf, der sie vom rechten Weg abbringt... (Rotkäppchen)

In der Reihe „Märchen-Klassik“ werden in einer Folge zwei der wohl bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm erzählt, die zur Kindheit von zahlreichen Generationen gehören: „Rotkäppchen“ und „Hänsel und Gretel“. Und natürlich wird auch hier wieder die Geschichte mit klassischer Musik untermalt, wobei zwischen den hier verwendeten Komponisten Engelbert Humperdinck und Richard Wagner auch persönlich eine enge Bindung bestand. Ersterer hat eine ganze Oper zu „Hänsel und Gretel“ komponiert, die hier dann auch Verwendung gefunden hat. Die bekannte Geschichte wird hier solide und bei den Szenen im Hexenhaus auch durchaus spannend erzählt, manche Dialoge wirken aber doch etwas hölzern, was leider auch an den noch recht jungen Sprechern liegt. Die Darstellung der Hexe hat mir jedoch sehr gut gefallen, düster, bedrohlich und dennoch kindgerecht. „Rotkäppchen“ ist zwar teilweise etwas in die Länge gezogen, um auf eine Laufzeit von 27 Minuten zu kommen, doch insgesamt ist eine stimmige Version des Märchen entstanden. Zudem wurden kleine Änderungen vorgenommen, so kommt der Jäger hier nicht zufällig des Weges, und auch das Pflücken der Blumen hat hier noch einmal eine stimmige Note bekommen.

Jana Rahma ist als Rotkäppchen zu hören und kann die Unbeschwertheit und Neugier des Mädchens gekonnt darstellen, ihre helle Stimme passt dabei gut zu der Rolle. Gerhard Fehn ist in dieser Geschichte als Erzähler zu hören, die er mit seiner angenehmen Stimme und der passenden Aussprache gekonnt gestaltet. Die Sprecherin der Gretel hat mir leider nicht so sehr gefallen, zu hölzern und emotionslos vertont sie ihre Dialoge und nimmt so viel Spannung aus der Folge. Weitere Sprecher sind Frank Logemann, Christian Bergmann und Aischa-Lina Löbbert.

Die Musik ist wesentliches Element dieser Hörspielreihe und nimmt auch hier wieder eine wichtige Rolle ein. Dabei sind die Opernmelodien aus „Hänsel und Gretel“ teilweise auch mit klassischen Volksliedern oder Gesangsstellen zu hören, was mich immer wieder abgelenkt hat und einen eher unrunden Eindruck hinterlässt. „Rotkäppchen“ überzeugt mit der dramatischen Musik von Richard Wagner, die sich sehr gut um die Handlung und ihre Stimmung legt.

Die Gestaltung des Covers gefällt mir sehr gut, da nicht nur der niedliche und kindgerechte Zeichenstil gut zur Geltung kommt, sondern auch das Motiv aus „Hänsel und Gretel“ sehr kreativ erdacht ist. Denn statt der bekannten weißen Kieselsteine wirft Hänsel hier kleine blaue Noten auf den Weg, sodass das Motiv der Klassik aufgegriffen wird. Im Inneren des Booklets werden zwar nicht die Sprecher ihren Rollen zugeordnet, dafür gibt es eine ausführliche Trackliste und einen interessanten Text über die Entstehung der Musik.

Fazit: „Hänsel und Gretel“ hat mich insgesamt nicht allzu sehr überzeugt. Zwar sind die Szenen bei der Hexe kindgerecht unheimlich geraten, die teils mit Gesang unterlegte Musik und die etwas hölzernen wirkenden Dialoge stören aber den Hörfluss. „Rotkäppchen“ hat mir da schon deutlich besser gefallen, die Verknüpfung von Wagners Musik mit der Handlung ist hier gut gelungen.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-03-4