Märchen-Klassik – Die Prinzessin auf der Erbse / Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern



Erster Eindruck: Zwei Märchen von Andersen

Schon lange sucht der Prinz eines wohlhabenden Königreichs nach einer echten Prinzessin, sanftmütig und zart, doch bisher konnte keine Kandidatin seine Ansprüche erfüllen. Als eine vom Regen durchnässte Dame ankommt und behautet, tatsächlich eine Prinzessin zu sein, ersinnt die Königin eine List... (Die Prinzessin auf der Erbse)
Um die harte Armut ein wenig zu lindern, schickt ein Vater seine Tochter in einer bitterkalten Silvesternacht auf die Straße, um Passanten Schwefelhölzer zu verkaufen. Doch die Leute haben weder Geld noch Mitleid mit ihr... (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern)

Auch der dänische Autor Hans Christian Andersen hat eine sehr bekannte Sammlung an Märchen zusammengetragen, viele der Klassiker sind auch heute noch bekannt und beliebt. In der wundervollen Reihe „Märchen-Klassik“ sind zwei Geschichten von ihm auf einer CD umgesetzt und mit klassischer Musik unterlegt worden. Den Anfang macht „Die Prinzessin auf der Erbse“, der bei vielem wohl wegen des oben erwähnten Tricks der Königin bekannt ist. Ganz abgesehen davon, dass das vermittelte Frauenbild in der heutigen Zeit zumindest fragwürdig ist, ist der erste Teil des Märchens mit der Suche nach der passenden Braut recht langwierig und kommt nicht so recht in Schwung. Die Umsetzung ist dabei durchaus stimmig, kann die langsame Entwicklung der Vorlage aber nicht ganz auffangen. „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ ist wohl eines der traurigsten und dramatischsten Märchen des Autors und wurde hier sehr gefühlvoll umgesetzt. Auf die Hauptfigur, ihre Ängste und Nöte wurde sehr intensiv eingegangen, und auch die tragende Stimmung der Silvesternacht kommt sehr gut zur Geltung. Obwohl ich die Geschichte seit langem kenne, hatte ich einige male einen Kloß im Hals, besonders die Sehnsucht nach der liebevollen Großmutter ist hier bestens inszeniert. Und so wertet die äußerst gelungene zweite Geschichte das schwächere erste Märchen wieder auf.

Leider wurde auch hier im Booklet keine Zuteilung der Sprecher zu ihren Rollen vorgenommen, sodass ich nur vermuten kann, dass Katrin Wolter das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern spricht, was sie wirklich auf hervorragende Weise bewältigt. Sehr gefühlsbetont, geradezu zerbrechlich und immer schwächer werdend trifft sie den Kern des Märchens sehr genau. Als Erzählerin ist dabei Antje Hamer im Einsatz, die sich zwar etwas mehr zurückhält, aber die Atmosphäre ebenso gekonnt unterstützt. Diesen Part übernimmt in dem ersten Teil Gerhard Fehn, der eine sehr solide Leistung abliefert. Weitere Sprecher sind Frank Logemann, Luca Zamperoni und Emil Schwarz.

Die Untermalung mit klassischer Musik nimmt hier eine zentrale Rolle ein und verleiht den beiden Märchen eine ganz besondere Stimmung. Hier sind zwar nicht die ganz großen Komponisten zu hören, aber gerade die tolle Musik von Erik Satie sorgt beim „kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern“ eine ganz besondere Stimmung und unterstützt die traurige, tragische Stimmung auf hervorragende Weise.

Die Schlüsselszene aus „Die Prinzessin auf der Erbse“ ist auf dem Cover abgebildet, die junge Dame liegt auf einem dicken Matratzenstapel, auch die kleine Erbse ist zu sehen. Mit dem roten Hintergrund und den vielen Monden, die als Dekoration angebracht sind, ist ein ansprechendes und passendes Cover entstanden. Das dicke Booklet enthält den lesenswerten Text über die Entstehung klassischer Musik.

Fazit: „Die Prinzessin auf der Erbse“ ist für meinen Geschmack etwas zu lang geraten, wobei der letzte Teil durchaus gelungen ist. „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ ist dafür eine sehr stärkste Umsetzungen der Serie, was nicht nur an der wundervollen Musik liegt, die hier besonders gut die Wirkung unterstützt, sondern auch an der gefühlvollen und traurigen Handlung sowie den tollen Sprechern.

VÖ: 27. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
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