Fünf Freunde – 123. und der Zug im Dunkeln



Erster Eindruck: Dunkelheit unter dem Meer...

Die Ferien wollen Julian, Dick, Anne und George dieses mal in Frankreich verbringen, der Zug soll sie durch einen unterirdischen Tunnel bis nach Calais bringen. Doch mitten während der Fahrt bleibt der Zug unerwartet stehen, das Licht geht aus, nichts regt sich mehr. Und als wäre das noch nicht genug, verschwindet dann auch noch ein Fahrgast spurlos. Können die fünf Freunde herausfinden, was es damit auf sich hat?

Die fünf Freunde bereisen aus immer neuen Gründen ganz unterschiedliche Orte. In Folge 123 ist jedoch nicht das Ziel der Schauplatz, sondern das Verkehrsmittel dorthin. Der Eurotunnel wird zwar so nicht benannt, ist aber eindeutig der Ort des neuen Abenteuers der eingeschworenen Gemeinschaft. Dabei steht die Atmosphäre klar im Vordergrund, und hier macht die Folge auch vieles richtig. Der Gedanke, im stockfinsteren Zug im kilometerlangen Tunnel festzusitzen, ist keine sonderlich angenehme Vorstellung, was hier immer wieder sehr gut zur Geltung kommt. Auch die Geschichte ist im Grunde gut erdacht und wegen der fehlenden visuellen Eindrücke der fünf Freunde oft recht verzwickt. Doch leider gibt es auch einige Aspekte, die mir nicht so sehr gefallen haben. So mutet es dann doch etwas merkwürdig an, wenn sich die Dialoge in einer Szene auf nur wenige Gesprächsteilnehmer beschränken, dann aber wie aufs Stichwort auch die anderen Passagiere im Hintergrund plappern – zumal sich hier einige Gesprächsfetzen wiederholen. Und auch der Fall ist eher schlicht und zu gradlinig, wirkliche Spannung kommt dabei nur selten auf. Die Atmosphäre im Zug ist wirklich sehr gelungen, das reicht aber nicht ganz aus, um ein wirklich überzeugendes Hörspiel zu erzeugen.

Sabine Hahn ist in dieser Folge in der Rolle der Mrs. Kelly zu hören, eine der Passagiere, und setzt die Dame mit viel Energie und einer gewissen Kratzbürstigkeit um, was insgesamt sehr stimmig wirkt. Auch Gerd Baltus ist als Mr. Fox im stockfinsteren Zug zu hören, er verstärkt die vorherrschende Atmosphäre mit seiner präsenten Sprechweise. Alexandra Garcia darf als George natürlich nicht fehlen, ihre energische und burschikose Art kommt auch hier wieder sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Antje Birnbaum, Achim Buch und Erik Schäffler.

Die Szenen im Zug sind akustisch sehr spärlich umgesetzt, Musik ist in dieser Folge sehr wenig im Einsatz. Nur das oben bereits erwähnte Stimmgewirr, das manchmal etwas plötzlich einsetzt, sowie passende Geräusche, die die Dialoge begleiten, ist hier im Einsatz. Das wirkt jedoch stimmig und unterstreicht die beklemmende Atmosphäre im Dunkeln.

Das Zugabteil der fünf Freunde ist auf dem Cover abgebildet, und natürlich haben sie wieder ziemlich bunte Kleidung in verschiedenen Farben an. Aus dem Fenster sieht man statt dunkler Schwärze aber noch einen grünen Laubwald, sodass man von der vorherrschenden Stimmung des Hörspiels nicht viel mitbekommt. Die Landkartenoptik wirkt auch hier wieder sehr passend.

Fazit: Die Atmosphäre der Folge ist während des Hauptteils sehr dicht und aussagekräftig, der Hörer fühlt sich quasi selbst in die beklemmende Szenerie hineinversetzt. Der Fall an sich ist jedoch ziemlich schlicht und wird merkwürdig spannungsarm erzählt, sodass mich diese Folge nicht vollständig überzeugen konnte.

VÖ: 22. September 2017
Label: Europa
Bestellnummer: 889853753529