John Sinclair – SE 07. Brandmal



Erster Eindruck: Düstere Verknüpfung in die Vergangenheit

Erzsebeth Barthory, die in die Bücher als Blutbaronin eingegangen ist, wurde nach ihrer Bestrafung ein grausames Schicksal zuteil. Die Ereignisse sind fast vergessen, sodass es John Sinclair zunächst schwer fällt, einen Bezug zu einem aktuellen Fall von Selbstentzündung mitten in London herzustellen. Doch die Hinweise mehren sich, sodass er in Begleitung von Jane Collins zu dem ungarischen Schloss der Adeligen reist...

Neben der eigentlichen Serie und den Classics mit früheren Abenteuern werden von John Sinclair in unregelmäßigen Abständen auch Sondereditionen veröffentlicht, die außerhalb der Serienhandlung spielen und von ihr unbeeinflusst eine in sich abgeschlossene Handlung erzählen und dabei oft eine Besonderheit aufweisen. In „Brandmal“ ist dies einerseits, dass Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke als er selbst auftritt und Realität und Fiktion somit vermischt werden. Andererseits wird der Mythos um die Blutbaronin äußerst stimmig in die Handlung eingebunden, die recht lange Introszene um ihre Untaten und ihre Bestrafung ist sehr atmosphärisch gestaltet und versetzt den Hörer völlig in diese düstere Szenerie. Doch auch im weiteren Verlauf ist ihre Geschichte sehr gut eingeflossen, kann aber zunächst nur schwierig mit den Fällen von spontaner Selbstentzündung in Verbindung gebracht werden. Die Recherchen sind sehr gut erzählt, die Reise in die touristisch erschlossene Gegend unterhaltsam und mit einigen humorvollen Szenen versehen, die Stimmung ist dicht und wird im Laufe der Zeit immer intensiver – und schon sind die immerhin drei CDs mit einer Laufzeit von fast 160 Minuten bei ihrem Finale angelangt. Dabei stellt sich nicht nur heraus, dass Jane ein Rammstein-Fan zu sein scheint und aus dem Zitat eines Songtextes den Sieg über ihren Gegner heraufbeschwört, sondern auch dass alle verwendeten Elemente bestens zusammenpassen und zu einer richtig guten Geschichte zusammenpassen.

Dr. Mark Berenecke kann sicherlich vieles, sich gut in einem Hörspiel zu präsentieren gehört aber unüberhörbar nicht dazu. Er spricht sich selbst hölzern, emotionslos und mit unrunder Betonung, was mich wegen seiner vielen Auftritte sehr im Hörfluss gestört hat. So interessant seine Rolle auch angelegt sein mag, durch ihn verlieren seine Szenen an Reiz. Kerstin Draeger ist an seiner Seite als Tina Baumjohann hingegen sehr hörenswert und kann ihre jahrelange Sprechererfahrung nutzen, um eine dynamische, frische und unterhaltsame Figur zu schaffen, insbesondere am Ende ist sie sehr stark. Toll auch Bernd Stephan, der mit seiner markanten Stimme immer wieder für eindringliche Momente sorgt. Zum weiteren starken Sprecherensemble gehören Bea Kopyto, Wolf-Dietrich Sprenger und Thomas Schmuckert.

Sehr gelungen auch die akustische Umsetzung der Folge, die sehr rund und stimmig gelungen ist. Dafür sorgt viel passende Musik, die die Atmosphäre der Folge noch unterstreicht und sehr präzise angepasst sind. Auch die Geräusche sorgen für eine lebendige Stimmung, sowohl im Hintergrund als auch für die Untermalung der reichlich vorhandenen Actionszenen. Und auch die Schockeffekte der Serie dürfen nicht fehlen und verfehlen ihre Wirkung nicht.

Ein dicker, stabiler Pappschuber umgibt die beiden einzelnen Hüllen, ganz in schwarz geschaltet und mit eingeprägtem Serienlogo sowie Glanzfolie auf dem Folgentitel macht dieser ordentlich etwas her. Auch das Motiv einer Feuerhand passt sehr gut dazu. Im Inneren gibt es neben den üblichen Produktionsinfos noch kurze Texte über Mark Benecke und Autor Florian Hilleberg sowie Fotos von den Aufnahmen.

Fazit: „Brandmal“ ist eine starke Sonderedition von John Sinclair, die Verbindung mit Erzsebeth Barthory, Mark Benecke und einer sehr atmosphärischen Geschichte ist sehr gelungen. Leider ist Benecke als Sprecher schwach und stört den Hörfluss, doch ansonsten konnte mich die Folge wegen ihrer dichten Atmosphäre und dem eingebauten Humor vollkommen überzeugen.

VÖ: 29. September 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5500-6