Sherlock Holmes – 31. Der Dauer-Patient



Erster Eindruck: Rätsel um einen großzügigen Gönner

Der junge, ambitionierte Arzt Dr. Trevelyan sucht die Hilfe von Sherlock Holmes in der Baker Street, nachdem er in seiner Praxis merkwürdigen Besuch von einem älteren Patienten und seinem Sohn bekommen hat. Auch sein reicher Gönner und Dauerpatient Mr. Bessington sorgt sich um die seltsamen Ereignisse, sodass der Meisterdetektiv schon bald einen Hausbesuch macht...

1893 hat Sir Arthur Conan Doyle eine recht trickreiche Geschichte veröffentlicht, die Titania Medien als 31. Folge der „Sherlock Holmes“-Serie vertont hat. Dabei wird noch mehr als sonst der Scharfsinn und die genaue Beobachtungsgabe der Hauptfigur in den Mittelpunkt gestellt, immer scheint er den anderen Protagonisten einen Schritt voraus zu sein. Das beginnt schon in der ersten Szene, in der Holmes noch vor dem Zusammentreffen mit Dr. Trevelyan sehr genaue Aussagen über seinen Berufsstand und einige weitere Details treffen kann, und solche Momente ziehen sich durch die gesamte Handlung. Das sorgt immer wieder für kleine überraschende Momente und Staunen, wirklich miträtseln kann man dabei aber nicht – zu viele Details, die die Figuren beobachten können, bleiben dem Hörer schließlich verborgen. In dieser Art ist auch die Auflösung gestrickt: Sinnvoll, treffend und mit gelungenem Effekt, aber eben nicht vorhersehbar. Schön ist, wie gut die Figuren zur Geltung kommen. Denn auch wenn Holmes meist wegen seiner überragenden Kenntnisse im Fokus steht, ist der charmante Dr. Watson ebenso gut getroffen wie der raubeinige und geheimniskrämerische Mr. Bessington oder der leicht überhebliche Lestrade.So ist ein gelungenes Hörspiel entstanden, welches mit der sehr guten Umsetzung, leisem Witz und Szenen, die vollends ausgekostet werden, überzeugen kann.

Sascha von Zambelly ist in der Rolle des Dr. Percy Trevelyan zu hören und gestaltet diese sehr lebendig. Er bietet dem Hörer eine breite wie treffende Gefühlspalette an und schafft so einen glaubhaften und stimmigen Charakter. Rolf Berg spricht den titelgebenden Dauer-Patienten mit abweisender und harter Stimme, poltert sich geradezu durch die Produktion und wirkt dabei immer sehr präsent – eine sehr gelungene Leistung! Auch Lutz Reichert hat mir als Inspektor Lestrade sehr gut gefallen, mit scharfem Witz und einer sehr gekonnten Aura sorgt er in seinen Szenen für einen gelungenen Kontrast zu den anderen Figuren. Weitere Sprecher sind Bruno Winzen, Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt.

Das Hörspiel besteht zu großen Teilen aus ruhigen Dialogen, was auch durch die akustische Gestaltung noch weiter betont wird. Der Einsatz von Musik beschränkt sich auf einige Szenenwechsel, in denen die Stimmung gut eingefangen wird. Auch Geräusche sind nur leise zu hören, beispielsweise das gemütliche Knistern eines Kaminfeuers zur Unterstreichung der Atmosphäre.

Ein Mann, an einem Strick aufgeknüpft und in ein schlichtes weißes Nachthemd gehüllt: Das ist das eigentliche Motiv des Covers und kommt schon gut zur Geltung. Doch auch die vielen weiteren, liebevoll eingebauten Details können überzeugen. Im Inneren gibt es neben den üblichen Produktionsinfos und den hübschen, bereits bekannten Illustrationen noch eine Folgenübersicht der Serie sowie des Gruselkabinetts.

Fazit: „Der Dauer-Patient“ ist eine ruhig erzählte Folge, in der der Scharfsinn von Sherlock Holmes besonders gut zur Geltung kommt. Immer wieder überrascht seine scharfe Beobachtungsgabe und seine konsequenten Schlussfolgerungen. Das Geschehen ist kurzweilig und unterhaltsam gestaltet, sodass eine gelungene Folge der Serie entstanden ist.

VÖ: 26. Oktober 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5458-0