Hui Buh – 26. Die kaiserliche Urkunde



Erster Eindruck: Hilfe von unten...

Prinzessin Annabella soll schon bald zur Königin gekrönt werden. Ihr liebster Cousin König Julius lässt es sich natürlich nicht nehmen, an der Zeremonie teilzunehmen und nimmt gleich seine ganze Familie inklusive Schlossgespenst Hui Buh mit – letzteren auf ausdrücklichen Wunsch von Annabelle. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft ist die Krönung in Gefahr, da eine wichtige Urkunde aus der Schatzkammer entwendet wurde...

In vielen Folgen von Hui Buh nimmt man Julius eher als Schlossherren denn als wirklichen König war, in der 26. Episode ist dies anders – und das nicht nur, weil Prinzessin Annabelle gekrönt werden soll, es in Nebensätzen auch um zu niedrige Steuern und den Umgang mit dem Volk. Hübsch gemacht, die Handlung konzentriert sich aber auf die verschwundene Urkunde und den finsteren Onkel Arlington der beiden, der unverkennbar böse Pläne schmiedet. Eigentlich besteht nie Zweifel daran, dass dieser der Bösewicht ist, was sich dann auch bewahrheitet, dennoch mindert das nicht die Spannung der Folge. Diese resultiert eher daraus, ob und wie seine Pläne durchkreuzt werden können, was mit vielen kurzweiligen Szenen gespickt ist. Toll auch, wie sich die Momente um eine mystische, aber hilfsbereite Sagengestalt einfügen, diese fast schon sanften und verspielten Momente bilden einen gelungenen Kontrast zu der sonst sehr düsteren und unheimlichen Folge. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz, beispielsweise ist das Kennenlernen von Hui Buh und Annabelle äußerst unterhaltsam gelungen, was jede Menge Charme transportiert. Zum Schluss gibt es dann auch noch eine kleine Überraschung, die einen der Charaktere noch in ein anderes Licht rückt.

Deborah Weigert hat einige wunderbare Auftritte als Annabella von und zu Felsensee, die sie mit leicht überdrehter, aber ungemein herzlicher und humoriger Sprechweise darstellt und immer Sympathien wie Lacher auf ihrer Seite hat. Rüdiger Kuhlbrodt spricht den bösen Arington mit einer dazu sehr passenden Attitüde und einigen spitzzüngigen Kommentaren, was eine sehr runde Charakterdarstellung ergibt. Sein mysteriöser Kutscher wird von Jan-David Rönfeldt gesprochen, der eine sehr schaurige und unheimliche Note in die Handlung mit einbringt. Weitere Sprecher sind Marie-Luise Schramm, Ulrike Stürzbecher und natürlich Stefan Krause als Hui Buh.

In Sachen Akustik setzt die Folge erneut auf atmosphärische Klänge, die an moderne Verfilmungen für Kinder mit magischem Hintergrund erinnert und die verschiedenen Szenerien gekonnt einrahmt. Die Geräuschkulisse fügt sich dabei stimmig ein, wobei besonders die Spukereien von Hui Buh sehr plastisch und vielseitig umgesetzt wurden.

Das Cover greift die unheimlichen Aspekte des Hörspiels sehr gekonnt auf und zeigt eine der anfänglichen Szenen, in denen die Schlossbewohner in ihrer Kutsche auf das düstere Gefährt des Grafen Arlington treffen. Im Hintergrund streckt sich das Schloss von Annabelle majestätisch in die Höhe, was durch einen großen See, sanfte Hügel und einen gut inszenierten Sonnenuntergang ergänzt wird.

Fazit: „Die kaiserliche Urkunde“ hat mir äußerst gut gefallen, denn auch wenn der Bösewicht sofort identifiziert werden kann, ist der Weg bis zum Finale mit kleinen Überraschungen, einer wendungsreichen Geschichte und vielen sehr gelungenen Szenen gepflastert. Humor, Spannung und Grusel halten sich hier die Waage, was durch aussagekräftige Charaktere unterstützt wird.

VÖ: 22. September 2017
Label: Europa
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