Gruselkabinett - 129. Manor



Erster Eindruck: Intensive Liebesgeschichte auf den Faröer Inseln

Als Har mit seinem Vater nahe den Faröer Inseln mit einem kleinen Boot zum Fischen ausfährt, zieht ein starker Sturm auf, sodass sich Har nicht mehr halten kann und in die eisigen Fluten stürmt. Immer weiter treibt er ab, doch auf einer nahe gelegenen Insel sieht Manor ihn im Wasser treiben und springt zu seiner Rettung ins Wasser. Schnell fassen die beiden jungen Männer tiefe Zuneigung zueinander, doch die gemeinsamen Zukunftspläne entwickeln sich ganz anders als erwartet...

Dass „Manor“ von Titania Medien Ende Oktober erscheint, dürfte kein Zufall sein, denn zur Eröffnung der dunklen Jahreszeit kann man sich wohl noch besser in die Szenerie der nebelverhangenen Faröer Inseln hineinversetzen. Tatsächlich wird die Atmosphäre äußerst gut transportiert und mit intensiven Beschreibungen immer weiter verstärkt, wozu auch der Einsatz des Erzählers beiträgt. Dieser ist recht häufig im Einsatz und rahmt die Dialoge ein, was sehr stimmig geraten ist. Die Geschichte konzentriert sich zunächst auf die zärtliche Liebe zwischen Har und Manor, die sich von Anfang an sehr zugetan sind, doch mit der Landung eines Walfängers ändert sich die Handlung deutlich. Es dauert etwas, bis erste übernatürliche Elemente einschleichen, wobei diese auch einen sehr wildromantischen Anklang haben. Das ist sehr unterhaltsam erzählt und wird mit mystischen Elementen angereichert, wie der weisen Frau mit ihren Runensteinen. Intensität und Dramatik nehmen innerhalb der 47 Minuten immer weiter zu, die Betonung auf die Gefühle von Har hat mir dabei besonders gut gefallen – besonders beim traurigen Finale. Schön, dass dabei der leise Grusel dennoch nicht zu kurz kommt.

Peter Weis ist ein hervorragender Erzähler für diese Geschichte, seine raue Stimme passt nicht nur bestens zu der Stimmung dieser Folge, seine Sprechweise ist auch sehr intensiv und lebendig. Tom Raczko hat mir in der Rolle des Har ebenfalls sehr gut gefallen, sein sehnsuchtsvolles Verlangen nach Manor und die tiefe, unerschütterliche Liebe werden von ihm sehr gut dargestellt, wobei er in der letzten Szene absolut fantastisch ist. Louis Friedemann Friese wird ihm als Manor zur Seite gestellt, der einen sehr guten Eindruck hinterlässt und sich sehr gut an die Atmosphäre der Handlung anpasst. Weitere Sprecher sind Monica Bielenstein, Dagmar von Kurmin und Timmo Niesner.

Die Szenerie ist eine ganz andere als sonst, sodass das Team von Titania Medien hier neue Wege beschreiten konnte. Zwar gibt es natürlich immer noch die sehr dichte und atmosphärische Musik, die alles unterlegt, aber eben auch sanftes Wellenrauschen und andere maritime Klänge, sodass die kühle Stimmung auf den Faröer Inseln sehr intensiv zur Geltung kommt.

Das Cover zeigt die beiden Hauptfiguren Har und Manor in zärtlicher Verliebtheit, die Augen leicht geschlossen, die Hand des einen auf der Schulter des anderen, was einen sehr romantischen Eindruck hinterlässt. Im gelungenen Kontrast zu den warmen Farben ihrer Körper ist der Hintergrund im kühlen Blau gehalten, was zudem die Stimmung des Hörspiels gut wiedergibt.

Fazit: Diese Geschichte hat einen sehr romantischen Anklang und erzählt eine intensive Liebe zwischen zwei Menschen, spart aber später auch nicht mit langsam aufkommendem Grauen und einigen sehr packenden Szenen. Mystisch und dramatisch endet das Hörspiel, in das ich mich völlig fallen lassen konnte. Sehr hörenswert!

VÖ: 26. Oktober 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5561-7