Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 10. Eine Nacht am Brocken



Erster Eindruck: Zwei von Sieben

Drei englische Reisende treffen durch Zufall im deutschen Kaiserreich am Fuße des Brockens in einem Gasthaus aufeinander. Trotz – oder gerade wegen – der eindringlichen Warnung des Wirtes wollen die drei den als Hexenplatz verschrienen Berg besteigen, es fehlt nur noch an dem passenden Führer durch das Gebirge. Einige Zeit später werden Mycroft Holmes und Oscar Wilde auf den Fall aufmerksam und kommen einer schrecklichen Verschwörung auf die Spur...

In den bisherigen Folgen von „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ hat sich bereits herauskristallisiert, dass die geheimnisvolle Zirkel der Sieben eine zentrale Rolle spielt. Doch bisher kannte der Hörer lediglich den ebenso genialen wie diabolischen Dr. Grell, was sich in der zehnten Folge jedoch ändert. Ein weiteres Mitglied des Zirkels betritt hier die Bühne und legt eine ganz andere Attitüde an den Tag – nicht minder bösartig und hasserfüllt auf die englische Monarchie, aber geheimnisvoller, intriganter und mysteriöser. Das bringt noch einmal ganz andere Würze mit sich, zumal lange Zeit nicht klar ist, was hinter dem Plan des neuen Bösewichtes steckt. Zu Anfang wird recht viel Zeit darauf verwendet, die Grundsituation der drei Reisenden wird ausführlich dargelegt. Auch wenn dieser Teil sicherlich etwas gestrafft hätte werden können, ist er keinesfalls langweilig geraten, weil die düstere Stimmung am Brocken gut eingefangen wird. Später wird das Geheimnis um die drei verschwundenen Männer aufgedeckt, was sehr unterhaltsam erzählt ist. Das Tempo und die Dramatik nehmen dabei sukzessive zu, zumal der Plan ebenfalls an Intensität zunimmt. Diese Folge lebt von der düsteren Stimmung am Brocken und der Vorstellung des neuen Gegenspielers, was mit vielen spannenden Szenen gespickt wurde. Schön, dass auch innerhalb der Serie eine Weiterentwicklung zu bemerken ist.

Die Besetzung der Folge konnte mich ebenso überzeugen, beispielsweise hat Sven Plate einen sehr gelungenen Auftritt als Seth Reynolds, bei dem er seiner kratzigen Stimme einen sehr ausdrucksstarken Klang verleiht. Auch Detlef Bierstedt hinterlässt als Clint Abbott einen positiven Eindruck, mit energiegeladener Stimme sorgt er für einige intensive Momente am Brocken. Gabrielle Pietermann kann in ihrer Rolle einige neue Seiten von sich zeigen und kann die aufwühlende Gefühlswelt der jungen Frau sehr treffend inszenieren. Weitere Sprecher sind Martin Sabel, Michael Grimm und Alexandra Lange.

Die Geschichte ist wie immer sehr atmosphärisch umgesetzt, sodass gerade die ersten Szenen sehr unheimlich wirken. Dafür sorgen einige gut plazierte Musikstücke, aber auch viele Geräusche, die die Dialoge lebendiger wirken lassen. Das ergänzt sich alles sehr gut, sodass eine eingängige und passende Stimmung für die verschiedenen Szenen geschaffen wurde.

Das verschlungene Coverdesign mit den vielen Ornamenten kommt auch hier wieder gut zur Geltung, was sich gut mit dem Motiv der Folge, einer unheilvollen Mühle, ergänzt. Auch der Hintergrund mit den vielen kleinen Details ist in gedeckten, erdigen Tönen gehalten. Wie immer stehen bereits auf dem Backcover die Sprecher, wobei jedoch einige Zeilen merkwürdigerweise in Fettschrift gedruckt sind.

Fazit: Die Serie entwickelt sich hier noch einmal weiter, indem ein neuer Gegenspieler von Wilde und Holmes präsentiert wird, der noch einmal ein ganz anderes Auftreten mitbringt. Das ist sehr gut inszeniert und in einer spannenden und düsteren Geschichte angesiedelt, sodass trotz einer recht langen Introszene alles sehr unterhaltsam geraten ist.

VÖ: 21. Juli 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5465-8