John Sinclair Classics – 30. Das Phantom von Soho



Erster Eindruck: Auswirkungen der Vergangenheit

Wirklich in Vergessenheit ist der vielfache Mörder nicht, der vor einigen Jahren bei seiner Verurteilung bittere Rache an allen Beteiligten geschworen hat. Und auch John Sinclair war bei der Festnahme als Lockvogel beteiligt und bekommt nun die Folgen zu spüren. Doch er muss sich auch gegen die Berichte der Presse bestehen, die ein gewisser Bill Conolly verbreitet...

Dass die Classics-Serie von John Sinclair irgendwann an der ersten Folge anschließen könnte, ist klar, und in der 30. Folge wird ein Schritt in diese Richtung gegangen. Denn Bill Conolly, der später ein enger Vertrauter des Geisterjägers wird, bekommt hier eine wichtige Nebenrolle mit humorigem Anklang. Doch zunächst werden in einer kurzen Rückblende Verhaftung und Prozess des mehrfachen Mörders Monty Parker erzählt, was eine gute Einstimmung auf die Folge ergibt. Auch danach lässt der Druck nicht nach, die Geschichte entwickelt sich eben so dynamisch wie aufregend weiter. Zentral dreht sich alles um die Frage, wie der Psychopath aus einer geschlossenen Anstalt heraus sein Unwesen treiben kann. Ein bisschen kann man das zwar schon anhand des Titels und des Covers erahnen, was aber keinesfalls die Spannung mindert. Im Gegenteil, mit einigen Anspielungen auf einen Erzfeind von Sinclair und einem packenden Finale macht „Das Phantom von Soho“ vieles richtig. So macht die Classics-Serie richtig Spaß, die temporeiche Handlung, die sanften Einschläge in Richtung der eigentlichen Serie und ein reizvolles Thema sorgen für sehr gute Unterhaltung.

Thomas Petrou ist zwar ein Sprecher mit langjähriger Erfahrung, dennoch (oder gerade deswegen) ist bei ihm als Monty Parker keine Spur vor Gleichförmigkeit oder Routine zu erkennen. Vielmehr lässt er sich völlig auf die Rolle ein und hat hörbaren Spaß daran, diese diabolische Figur zu spielen. Frank-Otto Schenk ist als William Mansing ebenfalls eine gute Wahl, auch er bringt viel Energie mit ein und gestaltet seinen Auftritt sehr lebendig. Detlef Bierstedt ist auch hier als Bill Conolly zu hören, wie auch in der eigentlichen Serie versprüht der Reporter hier lässigen Charme. Weitere Sprecher sind Wolf-Dietrich Sprenger, Bert Franzke und Peter Weis.

Er ist zurück: Der Schockeffekt. Nachdem Dennis Ehrhardt die Serie übernommen hat, ist dieses Stilmittel deutlich in den Hintergrund getreten. Hier gibt es wieder eine solche Szene, und die Wirkung ist umso beeindruckender. Natürlich ist die Folge auch ansonsten wieder sehr stimmig, vielseitig und atmosphärisch auf hohem Niveau produziert.

Timo Wuerz hat der Covergestaltung hier nochmal einen anderen Schliff verliehen und sein Konzept mit dem modernen Look und den dunklen Farben mit einem neuen Motiv variiert. Das Phantom ist mit Rauchschwaden und verzerrtem Gesicht eindrucksvoll abgebildet und wirkt zudem wahrlich beängstigend. Im Inneren wird wie immer eine schlichte und übersichtliche Optik geboten.

Fazit: „Das Phantom von Soho“ startet mit einer packenden Szene und lässt auch danach nicht nach. Das Tempo ist hoch, die Handlung sehr spannend und die Atmosphäre dicht. Das Auftauchen von Bill und das Zusammenspiel mit einem mächtigen Feind Sinclairs geben der Folge den letzten Kick.

VÖ: 25. August 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5422-1