Sherlock Holmes – Box 2



Erster Eindruck: Bekannte Figuren in neuem Kontext

Als Sherlock Holmes erfährt, dass Watson in einem pikanten Fall verdächtigt wird, findet er nach einer depressiven Phase zu alter Stärke zurück. Und das muss er auch, denn er hat nun einen ebenso gefährlichen wie unberechenbaren Gegner... (Im Schatten des Rippers)
Das Fallbeil, mit dem einst Marie Antoinette enthauptet wurde, ist in einer Nacht aus dem berühmten Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds gestohlen worden. Zunächst vermutet Sherlock Holmes den Täter unter den entlassenen Mitarbeitern des Museums... (Das entwendete Fallbeil)
Eine seltsame Schar steht eines Tages vor der Tür von Sherlock Holmes und jagt Mrs. Hudson einen gehörigen Schreck ein. Sie stammen aus einer Kuriositätenshow des Rummels, der momentan in London gastiert... (Die Affenfrau)

Zu Anfang ihrer wundervollen Reihe um Sherlock Holmes hat Titania Medien noch eigens verfasste Geschichten vertont. Von diesen sind in der zweiten Box drei versammelt, die zu Anfang der Serie erschienen sind.
Den Anfang macht „Im Schatten des Rippers“, das den Mythos um den bekannten Serienmörder Jack the Ripper mit der bekannten Figur des Meisterdetektivs verbindet. Die beiden Themen passen nicht nur sehr gut zueinander, sondern sind auch ebenso geschickt miteinander verknüpft worden. Dabei weicht das Hörerlebnis schon von den originalen Geschichten ab, die scharfsinnige Ermittlungsweise wird hier zu einem erlebnisorientierten Handlungsverlauf. Sherlock wirkt nicht mehr wie ein Übermensch, die Lösung liegt auch für ihn nicht gleich auf der Hand – und gerade das macht diese Version menschlicher und zugänglicher, ermöglicht einen andere Spannungsbogen, der sich immer weiter steigert und zu einem überraschenden Finale führt.
Zu Anfang von „Das entwendete Fallbeil“ werden zunächst viele Fakten zu dem bekannten Wachsfigurenkabinett eingebaut, was etwas gezwungen wirkt, dem späteren spannenden Verlauf jedoch keinen Abbruch tut. Bei den Ermittlungen ist der Meisterdetektiv voll in seinem Element, und hier kann tatsächlich stark an die Vorlagen von Sir Athur Conan Doyle erinnert werden. Als Hörer rätselt man begeistert mit und hat selbst den einen oder anderen Verdachtsmoment – bis man einen großen Wissensvorsprung vor den Protagonisten erhält und schon einige Kapitel vor Schluss die eigentliche Lösung präsentiert bekommt. Schade, denn hier fällt die Spannung stark ab, das Unbekannte weicht aus der Folge und macht einer zwar kurzweilig erzählten, aber eben nicht mehr spannenden Schlusssequenz Platz.
„Die Affenfrau“ findet in einem recht ungewöhnlichen Ambiente statt, die Charaktere der „Freakshow“ geben eine sehr interessante Würze. Und das schon gleich am Anfang, als die Kuriositäten auf dem Rummel angepriesen werden, dass man sich sie sehr genau bildlich vorstellen kann. So geht es gleich stimmungsvoll los, und kurz darauf ist man schon mitten im Fall und darf die Zeit kurz nach der Entführung erleben anstatt sie, wie so oft, nur erzählt zu bekommen. Auch ist diese Folge nicht so vorhersehbar wie ihr Vorgänger, erst im späteren Verlauf kann man den Täter erahnen – und selbst da ist noch nicht alles aufgeklärt, eine Überraschung wird bis ganz zum Schluss aufgespart.

Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt und Regine Lemnitz in den Hauptrollen machen ihre Sache hervorragend und werden von ebenso engagierten Gastsprechern unterstützt. Nicodemus, ein Kleinwüchsiger, der Sherlock Holmes um Hilfe bittet, wird von Dirk Petrick gesprochen. Er klingt durchweg glaubwürdig und passt auch stimmlich gut zu dieser Rolle, mit seiner anfänglichen Rede sorgt er gleich zu Beginn für die richtige Atmosphäre und lässt die Jahrmarkt-Stimmung gut auf den Hörer wirken. Axel Lutter ist als Ripper zu hören und sorgt für zahlreiche unheimliche Momente, spielt insbesondere mit seiner Lautstärke. Till Endemann spricht die Rolle des John Tussaud und prägt das Bild des gradlinigen Charakters mit einer präzisen Aussprache und einer glaubhaften Anpassung an die jeweiligen Umstände.

Die akustische Gestaltung zeigt mal wieder, dass Titania Medien immer wieder unterschiedliche Stimmungen schaffen, die perfekt an die jeweilige Kulisse angepasst ist. So kommen die düsteren Straßen Whitechapels ebenso gut zur Geltung wie die Atmosphäre in dem ungewöhnlichen Museum oder der düsteren Freakshow.

Die drei CDs sind in einer dicken Plastikbox verpackt, die ein bekanntes Motiv aus der Serie zeigen. Sherlock Holmes und Doktor Watson sind darauf in einem Zugabteil zu sehen und kommen in der detailreichen Zeichnung mit den warmen Farben sehr gut zur Geltung. Ein Booklet liegt nicht bei, die Produktionsinformationen sind hinter den CDs abgedruckt.

Fazit: Auch wenn „Das entwendete Fallbeil“ wegen der etwas unglücklichen Erzählweise nicht vollkommen überzeugen kann, sind die beiden anderen Geschichten dieser Box sehr unterhaltsam und spannend. Toll bei allen drei Geschichten ist die hervorragende atmosphärische Gestaltung, die jedes mal eine unterschiedliche Stimmung aufkommen lässt.

VÖ: 29. September 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5536-5