Märchen-Klassik – Der kleine Muck / Das kalte Herz



Erster Eindruck: Ein kleiner und ein dummer Mann...

Als sich der kleine Muck nach vielen Reisen endlich niedergelassen hat, macht es ihm wenig aus, von den Kindern wegen seiner Größe verspottet zu werden. Denn er denkt an die vielen bestandenen Abenteuer, die ihn zu Bettlern und Königen gebracht haben... (Der kleine Muck)
Peter blickt voller Neid auf die anderen Männer im Wirtshaus, denn er wird nicht nur wegen seines Berufes als Kohlebrenner wenig geschätzt, sondern hat auch bei weitem nicht so viel Geld ausgeben wie die anderen. Doch dann erfährt er von einer Legende, die ein Ausweg aus seiner Misere sein könnte... (Das kalte Herz)

Für die meisten dürften die Märchen der Gebrüder Grimm das Genre geprägt haben, doch auch andere Autoren haben wunderbare Geschichten erdacht oder zusammengetragen. Wilhelm Hauff ist einer von ihnen, dem eine CD der Hörspielreihe Märchen-Klassik gewidmet ist. Zu hören gibt es „Der kleine Muck“ und „Das kalte Herz“, die mit zwei der bekanntesten Komponisten unterlegt sind: Mozart und Beethoven. Das hat zur Folge, dass gerade „Der kleine Muck“ recht verspielt klingt. Der kleinwüchsige, aber pfiffige junge Mann erlebt dabei viele Abenteuer, die in dieser Umsetzung aber gut sortiert und spannend aufbereitet werden. Dabei kommen die magischen Elemente der Geschichte sehr gut zur Geltung, wobei auch der Bogen vom Anfang bis zum Ende gut geschlagen wurde. „Das kalte Herz“ ist thematisch sehr düster, böse Geister und ein neidvoller Hauptcharakter, der sich völlig seiner dunklen Seite hingibt – mir gefällt die Stimmung hier sehr gut. Durch die tragende Musik Beethovens kommt diese zudem sehr gut zur Geltung. Eine weitere hörenswerte Folge der Reihe, die mit eher unbekannten Märchen für Abwechslung sorgt.

Auch hier sind die Sprecher eher unbekannt, wobei mir Florian Seigerschmidt als kleiner Muck sehr gut gefallen hat. Er spricht die Rolle mit viel Energie und gewitztem Ausdruck, sodass er die Folge gut tragen kann. Friedrich Bochröders tiefe, volltönende Stimme passt zwar sehr gut zu der Rolle des Peter in „Das kalte Herz“, doch er wirkt manchmal etwas zu hölzern und bringt gerade im späteren Verlauf die Wandlung nicht stark genug zur Geltung. Jana Rahma hat mir in dieser Folge sehr gut gefallen, mit ihrer warmen Stimme bildet sie einen gelungenen Kontrast zur düsteren Grundstimmung. Weitere Sprecher sind Aischa-Lina Löbbert, Valentin Stroh und Katrin Wolter.

Die Musik dieser Reihe ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal, das auch hier bestens funktioniert. Es sind viele Melodien mit hohem Bekanntheitsgrad enthalten, die so auch Kinder an die wunderschönen Kompositionen heranführen. Und toll auch, wie gut die Stimmung der Geschichten aufgegriffen und verstärkt wird. Das wirkt alles sehr stimmig und dicht.

Der kleine Muck ist auf dem Cover abgebildet, mit seinen spitzen Schuhen, dem goldenen Stab und dem Turban wirkt er fast wie aus 1001 Nacht entsprungen, was auch durch die Zwiebeltürme im Hintergrund unterstützt wird. Die bräunliche Farbgebung ist dabei sehr ansehnlich. Im Inneren ist der aus den anderen Folgen bekannte Text zu lesen, auch eine ausführliche Trackliste ist zu sehen. Nur leider sind die Sprecher nicht den verschiedenen Rollen zugeordnet.

Fazit: „Der kleine Muck“ hat mir wegen der lebendigen Musik und dem kurzweiligen Verlauf sehr gut gefallen, eine sehr gelungene Umsetzung des Hörspiels. Auch „Das kalte Herz“ kann wegen seiner düsteren und bedrückenden Stimmung überzeugen, nur der Sprecher des Peter hätte mit etwas mehr Nachdruck sprechen können.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-06-5