H.G. Wells - Die Zeitmaschine – Teil 2



Erster Eindruck: Schrecken in weit entfernter Zukunft

Jack ist in der weit entfernten Zukunft zwar sicher angekommen, doch da seine Zeitmaschine verschwunden ist, hat er keine Chance, in seine Zeit zurückzukehren. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als bei den freundlichen Eloi zu bleiben. Doch trotz der Friedlichkeit ihrer Welt wundert sich Jack über den Gleichmut der Erdenbewohner. Dann lernt er die faszinierende Weena kennen...

Oliver Dörings Reihe, in denen er die Geschichten von H.G. Wells umsetzt, ist mit einem der absoluten Klassiker des Autors gestartet: „Die Zeitmaschine“ wurde von dem langjährigen Hörspielmacher als Zweiteiler umgesetzt. Während in dem ersten Teil die Grundsituation vorgestellt und die Entwicklung der Menschheit skizziert wurde, konzentriert sich die Handlung in diesem zweiten Teil auf Jacks Erlebnisse in der weit entfernten Zukunft bei den Eloi. Es ist sehr spannend zu hören, wie er langsam hinter die Strukturen dieser völlig unbekannten Gesellschaft dringt, in der alles friedlich und fast schon paradiesisch wirkt, aber die Bewohner auch seltsam teilnahmslos wirken. Toll ist die Szene, in der Jack von einer Roboterdame mehr über die menschliche Rasse und die momentane Situation erfährt, aber besonders das Finale dieser Szenen, in der Jack mit einer schrecklichen Tatsache konfrontiert wird, ist sehr intensiv gelungen. Doch neben all der Spannung wird auch die menschliche Entwicklung von Weena sehr gekonnt dargestellt, die sich langsam an Jakcs Neugier ein Beispiel nimmt und selbst anfängt, nachzudenken und zu hinterfragen. Gekrönt wird dies von einigen philosophischen Fragen, die Jack am Ende im Kreise seiner Freunde stellt und so auch den Hörer zum Nachdenken anregt. Eine wirklich packende Umsetzung, die hier gekonnt Tempo aufnimmt und sich dennoch viel Zeit nimmt, um die einzelnen Elemente wirken zu lassen.

Wieder sind viele tolle Sprecher um das Mikrofon versammelt, unter ihnen Maximiliane Häcke, Nico Sablik und Joachim Kerzel. Hans-Georg Panczak ist natürlich auch hier wieder als Jack zu hören, legt bei seiner Performance aber noch einmal eine Schippe drauf und spricht seine Szenen noch intensiver, sodass der Spannungsbogen der Geschichte gut nachgezeichnet wird. Luise Wietzorek ist mit ihrer sanften Stimme eine sehr gute Besetzung für die Rolle der Weena, wobei sie die voranschreitende Wandlung der Eloi gekonnt darstellt. Auch Marianne Groß hat mich als Roboterfrau begeistert, sie passt ihre ausdrucksstarke Stimme gekonnt an die kühle Ausstrahlung der Figur an.

In dieser Szene bringt Döring einige technische Spielereien mit ein, die sehr passend sind und die Wirkung unterstützen. Ansonsten ist die Umsetzung für Döring ungewöhnlich ruhig, aber sehr stimmig. Viele Melodien sorgen für einen atmosphärischen Verlauf, während in den Schlusszenen unter der Erde einige sehr gut plazierte Geräusche für einen hohen Gruselfaktor sorgen.

Die Covergestaltung gefällt mir auch hier wieder sehr gut. Der Schriftzug wirkt recht technisch klar und futuristisch, wobei eine stilisierte Uhr auf das Thema der Folge hindeutet. Das eigentliche Motiv ist ein menschliches Gesicht, das in viele technische Symbole eingerahmt wurde. Das Innere ist – typisch für Döring – recht schlicht aufbereitet und enthält keine zusätzlichen Informationen.

Fazit: Die Handlung verdichtet sich hier noch weiter, Jacks Aufenthalt bei den Eloi wird sehr ausführlich erzählt, wobei dabei viel Raum für leise Zwischentöne bleibt. Der Schrecken weitet sich jedoch bald aus, die Geschichte nimmt dann noch mehr Fahrt auf und zu einem packenden Finale geführt. Die ausführliche Umsetzung sehr nahe an der Vorlage hat mich vollkommen überzeugt.

VÖ: 29. September 2017
Label: Folgenreich
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