Professor van Dusen – 11. in der Höhle des Löwen



Erster Eindruck: Wer war es nicht?

Richter Max Mallowan liebt nichts so sehr wie die Gerechtigkeit. In den Akten seiner Kollegen hat er eine Unstimmigkeit entdeckt, die einen verurteilten Mörder entlastet. Die Zeit drängt, denn die Hinrichtung steht kurz bevor, doch noch bevor er alles erklären kann, stirbt er bei einem Brand in seinem Haus. Die letzte Hoffnung ruht nun auf Professor van Dusen, der einige Tage mit den dreien auf einer abgelegenen Insel verbringen soll, um den Unschuldigen vor dem Tode zu retten...

Wer ist der Mörder? Das ist die wohl klassischste Frage in Kriminalgeschichten. Die elfte Folge der Neuinterpretation von „Professor van Dusen“ löst diese Fragestellung durch eine sehr gelungene Variation ab: Wer ist nicht der Mörder? Zugegeben, die anfängliche Szene um Richter Mallowan wirkt recht konstruiert, um genau auf diese Situation abzuzielen. Doch wegen der sehr interessanten Szenerie kann man dies schnell verzeihen. An die Szene um ihn schließt sich noch ein Gespräch mit van Dusen an, der in die Grundsituation eingeweiht wird, dann schwenkt die Szenerie schon schnell auf die einsame Insel um und die Charaktere werden vorgestellt. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein: Die sanfte Claire, der ruppige Shelby und der geheimnisvolle Blake haben alle ihre eigene Hintergrundgeschichte verpasst bekommen. Zudem spielt auch immer wieder deren Aussicht auf einen baldigen Tod in die Handlung mit ein, sodass die Geschichte noch eine weitere Ebene bekommt. Natürlich kann van Dusen schnell auf die Lösung des Falles schließen, dem Hörer gelingt dies aber erst mit der Hilfe des Detektivs. Das ist alles sehr reizvoll geschildert und flüssig erzählt, sodass zwar keine wirkliche Hochspannung aufkommt, aber alles sehr rund und interessant wirkt.

Marieke Oeffinger ist als sanfte Claire zu hören und verleiht ihrem Charakter eine charmante und liebevolle Aura, die nicht nur Hutchinson bald um den Finger wickelt. Ihr glaubhaftes Agieren sorgt zudem für gelungene Momente. Christian Rodes unverkennbare Stimme verleiht auch der Rolle des Shelby eine intensive Note, wobei er einen scharfen Unterton hineinlegt. Auch Peter Weis ist als Blake gut ausgewählt und agiert in jeder Szene glaubhaft und legt viel Energie in seine Stimme. Weitere Sprecher sind Tobias Nath, Uwe Jellinek und Rainer Brandt.

Klanglich wird dem Hörer hier wie gewohnt stimmige Kost geboten, wobei sich die akustische Gestaltung eher im Hintergrund hält. Die Szenerie auf der Insel wird mit den typischen Geräuschen zwar passend dargestellt und verleiht den Dialogen mehr Lebendigkeit, die Musik ist aber meist sehr zurückhaltend eingesetzt, was insgesamt sehr harmonisch wirkt.

Natürlich gibt es auf dem Cover wieder eine aufwändige Bleistiftzeichnung zu sehen, die die Ankunft der Besucher auf der Insel zeigt. Gut gefällt mir dabei, wie auch auf den Hintergrund viel Wert gelegt wurde, dieser ist ebenso stimmig umgesetzt. Im Inneren gibt es neben der üblichen Auflistung der Mitwirkenden auch einen einleitenden Text zur Folge von Autor Marc Freud.

Fazit: Mit 61 Minuten eine eher kurze Folge der Serie, wobei hier alles am richtigen Platz ist. Die sehr interessante Szenerie wird durch beachtenswerte Charaktere noch weiter aufgewertet, und auch die Stimmung der Folge hat mir gefallen – inklusive der kraftvollen Schlussszene, in der mehr Zusammenhänge offenbart werden als zuvor gedacht.

VÖ: 15. September 2017
Label: allscore
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