Edgar Wallace löst den Fall – 4. Die Glasaugenmenschen



Erster Eindruck: Eine ungewöhnliche Begegnung...

Der Überfall auf einen Geldboten in London sorgt für Aufsehen – besonders, weil das Überfallopfer Lord Nelson als Übeltäter erkannt haben will. Inspector Bliss glaubt allerdings keineswegs, dass sich die granitene Statue am Trafalgar-Square erhoben hat, zumal immer weitere Überfälle gemeldet werden. Und immer wieder werden dabei historische Persönlichkeiten gesichtet...

In einer erfreulich regelmäßigen Taktung von ziemlich genau zwei Monaten bringt das engagierte Label WinterZeit neue Folgen der Krimiserie „Edgar Wallace löst den Fall“ auf den Markt, sodass auch die vierte Folge „Die Glasaugenmenschen“ nur einige Zeit nach dem Start der Serie erhältlich ist. Der sehr offensichtliche Bezug zu den Originalen des britischen Autors ist hier nicht mehr zu erkennen – weder Titel noch Inhalt lehnen sich allzu offensichtlich an sein Werk an. Dennoch bleibt viel von der dichten Stimmung in London erhalten, und natürlich zitiert Inspector Bliss an allen nur möglichen Stellen sein großes Idol. Die Handlung punktet dann mit dem sehr interessanten Ansatz, der zunächst nur wenige Anhaltspunkte auf Täter oder Motiv in sich birgt. Doch in einem cleveren Aufbau werden immer neue Hinweise hinzugefügt, die aber gleichzeitig auch neue Rätsel aufwerfen. So kommt man der Lösung gemeinsam mit Bliss und Sergeant Mender immer näher, verliert aber doch nie das Interesse an der Handlung. Die Auflösung kommt dann etwas überraschend, weil der Inspector dann einen plötzlichen Wissensvorsprung hat, fügt sich aber dennoch stimmig ein und klärt den Fall gekonnt auf – doch das war immer noch nicht das Ende, denn eine prägnante Begegnung von Bliss und eine kurzweilige Abschlussszene sind noch angehangen. Auch der leise Humor, der die komplette Handlung durchzieht, hat mir sehr gut gefallen.

Edwin Lippleshaw wird von Johannes Berenz gesprochen, der seine Sache sehr gut macht und mit viel Ausdruck in der Stimme und glaubhaftem Auftreten für eine passenden Charakter sorgt. Sven Gerhardt ist als Jacob Wipple zu hören, dem er eine gewisse Portion spröden Charme verleiht, der sehr gut in die Atmosphäre der Serie passt und in seinen Szenen gut plaziert ist. Auch Reinhard Kuhnert hat mir als Taylor Baines gut gefallen, mit seinem angenehmen Klang schafft er einen weiteren einprägsamen Charakter. Weitere Sprecher sind Jürgen Thormann, Herbert Schäfer und Dirk Petrik.

Die vorigen Folgen hatten sehr prägnante Schauplätze oder Szenerien, die in dieser Vorlage von Dietmar Kuegler nicht aufgetreten sind. So wirkt das Hörspiel insgesamt ein wenig ruhiger, auch wenn es natürlich immer wieder aufregende Szenen gibt, die dann auch passen inszeniert wurden. Musik und Geräusche sind dabei gut aufeinander abgestimmt, der Klang der Folge hat mir wieder gut gefallen.

Natürlich wurde das orange-rote Coverdesign der vorigen Folgen auch hier wieder verwendet. Der schlichte gelbe Schriftzug passt gut dazu, wobei sich diese Farben durch die komplette Gestaltung ziehen. Das Glasauge, welches schließlich den entscheidenden Hinweis auf den Täter liefert, ist als Titelbild ausgewählt worden und ist in seiner Schlichtheit sehr gut gewählt.

Fazit: Hier werden nur noch vereinzelt Motive aus den Wallace-Romanen verwendet, sodass die Geschichte freier und überraschender ist, ohne den Charme der bekannten Geschichten vermissen zu lassen. Der unterhaltsame und spannende Verlauf ist mit gelungenen Elementen gespickt und ist kurzweilig dargeboten, sodass mir auch diese Folge sehr gut gefallen hat.

VÖ: 25. August 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-945624-92-0