Sherlock Holmes: Die neuen Fälle – 33. Die Wölfe von Whitechapel



Erster Eindruck: Begegnung mit Londons Unterschicht

Die Berichte von riesigen Wölfen in Whitechapel sorgen bei Dr. Watson eher für Spötteleien ob der übertriebenen Art der Presse, bei Sherlock Holmes wird hingegen der Ermittlerinstinkt geweckt. Und so begeben sich die beiden in den heruntergekommenen Stadtteil von London, wo Freudenmädchen und zwielichtige Gestalten zu finden sind, um die grausigen Morde aufzuklären...

Whitechapel hat bis heute bei Nicht-Londoner einen zweifelhaften Ruf, allein weil auch der legendäre Jack the Ripper dort sein Unwesen getrieben hat. Auch die 33. Folge der neuen Fälle von Sherlock Holmes von Romantruhe Audio entführt den Leser in diesen düsteren Stadtteil, der durch seine sehr individuellen Bewohner zu Leben erweckt wird. Hier wird sehr differenziert mit verschiedenen Charakteren gearbeitet, die zwar tatsächlich nicht durch eine gute Bildung (oder korrekte Grammatik) auffallen, aber dafür das Herz am rechten Fleck haben. Dieser Ausflug in die untere Schicht der Stadt ist eine sehr wohltuende Abwechslung, die die Serie ein wenig bunter wirken lässt und eine ganz neue Facette mit einbringt. Das würde natürlich noch nicht für eine gute Folge reichen, aber glücklicherweise ist auch die Handlung gut durchdacht und spannend erzählt. Die anfänglich ruhig wirkenden Ermittlungen des tollen Gespanns werden im Laufe der 80 Minuten immer intensiver und gipfeln in einem sehr spannenden und packenden Finale, das sehr viel handlungsbetonter ist als man es bisher von der Serie gewohnt ist. Dennoch fügt sich alles stimmig ineinander, sodass eine weitere sehr gute Folge der Reihe entstanden ist.

Lutz Riedel ist in der Rolle des Pfarrer O'Neally zu hören, mit seiner ganzen Professionalität und viel Energie sorgt er für eine eindrucksvolle Figur, die sehr gut zur Geltung kommt. Katharina von Daake ist als Vanessa zu hören und verleiht ihrer Stimme viel derben Charme, auch die vielen grammatikalischen Fehler bringt sie glaubhaft herüber. Manchmal neigt sie allerdings dazu, die Rolle etwas zu überspitzen und dann zu flach wirken zu lassen. Ilka Teichmüller ist als Mrs. Amberfield zu hören, auch sie passt wunderbar in das Ambiente der Folge und verleiht zusätzlichen Reiz. Weitere Sprecher sind Harry Kühn, Harmut Neugebauer und Sonja Deutsch.

Die Instrumentalisierung dieser Folge setzt neben einem Klavier dieses mal die Klänge einer Spieluhr ein, was eine neue Nuance mit einbringt. Dabei sorgen die Melodien nicht nur für sanftere Szenenübergänge, sondern unterstreichen auch gekonnt die Stimmung der Folge. Die Geräusche sind passgenau eingefügt und lassen besonders das Finale in Whitechapel sehr intensiv wirken.

Ein tristes Bild mit einer verregneten Gasse im trüben Mondschein, darauf die beiden Gestalten der Hauptfiguren unter einem Regenschirm – wie immer wirkt das Cover wie ein altes Gemälde und fasst die Stimmung in Whitehchapel gut zusammen. Im Inneren gibt es neben einer Übersicht der bisher erschienenen Folgen wie immer eine Auflistung aller Mitwirkenden an diesem Hörspiel.

Fazit: Wieder schafft es die Romantruhe, den Figuren treu zu bleiben und dennoch eine sehr eigenständige Folge mit ganz eigener Note zu schaffen. Der Aufbau ist kurzweilig und spannend, das Finale packend und die Szenerie sehr eindringlich. Viele interessante Charaktere runden diese sehr gute Folge ab.

VÖ: 28. Juli 2017
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-143-3