Professor van Dusen – 14. Rotes Blut und weißer Käse



Erster Eindruck: Von Vegetariern und Fleisches(s)lust

Auf seiner Reise um die Welt macht Professor van Dusen mit seinem Chronisten Hutchinson Hatch auch auf dem Monte Paradiso Halt, wo ein alter Freund von ihm gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten auf einem Aussteiger-Hof wohnt. Doch die friedliche Idylle täuscht, denn schon kurz bricht einer der Mitbewohner auf offenem Feld zusammen. Die ersten Untersuchungen von van Dusen deuten auf Mord hin...

„Rotes Blut und weißer Käse“ - was für ein Titel für ein Hörspiel! Die 24. Folge der originalen Serie um Professor van Dusen trägt aber genau diesen Titel und deutet dabei auf den humoristischen Aspekt der Folge hin. Diese ist nicht nur durch den ziemlich übel gelaunten Hutchinson Hatch mit den ungewöhnlich bissigen Sprüchen sehr präsent, sondern auch mit den wunderbar überspitzt dargestellten Charakteren. Die militanten Vegetarier und ihre Reibereien untereinander, weil jeder eben doch das eine oder andere Laster in das sonst so strenge Leben auf dem Hof bringt, sind sehr unterhaltsam in Szene gesetzt. Da geht der unterschwellige Humor von van Dusen schon fast ein wenig unter, doch mit seiner genialen Kombinationsgabe und einigen gut plazierten Sprüchen entfaltet auch diese Figur ihren spröden Charme. Der Fall an sich ist dann auch clever, weil der Kreis der Verdächtigen so reduziert ist und jeder Motiv und Gelegenheit zur Tat hätte. So kommt es auf die Details an, und diese werden dem Hörer unterhaltsam geliefert – auch wenn van Dusen den Fall schon längst gelöst hat. Eine sehr gelungene Folge, die mit ihrer ebenso skurrilen wie idyllischen Szenerie sehr überzeugen kann.

Klaus Herm ist natürlich wieder als Hutchinson Hatch mit dabei und sorgt mit seinen bissigen Kommentaren hier für Kurzweil, er lässt die Figur wie immer locker und authentisch wirken. Gisela Fritsch legt in ihre Umsetzung der Selma Castor für viel Energie und bringt die kleinen Streitereien zwischen den Bewohnern besonders gut zur Geltung. Auch Helmut Stauss macht als Oskar Böasedow eine gute Figur und trägt viel zum Humor der Szenerie bei. Weitere Sprecher sind Hermann Ebeling, Lone Solnov und Heinz Rabe.

Die eingesetzte Musik dieser Folge wirkt sehr experimentell, ein kleiner Chor aus Männern und Frauen singt in einer Phantasiesprache schnell aneinandergereihte Silben – und zwar alle durcheinander. Das passt wunderbar zu der Stimmung auf dem Berg und setzt gekonnt Akzente. Die Umsetzung der Geräusche ist treffend gelungen und lässt die einzelnen Szenen lebendig wirken.

Die sehr einfache Zeichnung eines Käses, aus dem Blut tropft, ist auf dem Cover zu sehen. Alternativ kann man sich auch für das zweite Coverdesign im Inneren entscheiden, die im witzigen Comicstil mehr auf die idyllische Landschaft eingeht und Hatch und van Dusen zeigt. Gut gefällt mir, dass nach der eigentlichen Handlung noch ein kleines Gespräch über dieses Hörspiel angehangen ist, was sehr unterhaltsam gelungen ist.

Fazit: Eine sehr unterhaltsame Folge der Serie, die insbesondere durch ihre sehr humorvolle und treffende Umsetzung punkten kann. Viele witzige Sprüche und ein eingegrenztes Feld an Verdächtigen lassen die Folge sehr kurzweilig wirken, auch wenn van Dusen Hutchinson Hatch wie den Hörer auch auf die Folter spannt – bis zu einer klassischen Auflösung im großen Kreis, die alle Hinweise gekonnt zusammenführt.

VÖ: 23. Juni 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-75-0