Edgar Wallace löst den Fall – 2. Das irische Halstuch



Erster Eindruck: Nebeliger Auftakt zu starker Folge

Der Bürgerkrieg zwischen England und Irland tobt auf Hochtouren, und immer wieder kommen Gerüchte über einen irischen Geheimbund auf. Mittendrin ermittelt Chiefinspector Bliss, um den Fall des britischen Empire zu verhindern. Die Spur führt den Ermittler und seinen Partner Sergant Mander über ein Halstuch bis hin zum Oberhaupt der Raben...

Wer sich bei den Titeln der neuen Krimiserie von Winterzeit fragt, ob er vielleicht bisher immer etwas falsch verstanden hat, ist wohl nicht allein. Tatsächlich wurde bei „Das irische Handtuch“ im Titel nur das Land ausgetauscht, mit dem Klassiker „Das indische Handtuch“ hat die Geschichte der zweiten Folge allerdings nichts zu tun. Die Szenerie erinnert vielmehr an „Das Gasthaus an der Themese“, woran auch die Eingangsszene offensichtlich angelehnt ist. Später löst sich die Handlung immer mehr von der Vorlage, geht eigene Wege, doch die Ideen von Wallace haben immer wieder Einfluss, auch die Konstellation der Charaktere ist deutlich hiervon inspiriert. Witzig sind die Kommentare des Ermittlers, der den Autor öfters direkt erwähnt und Bezug zu den Fällen nimmt. Richtig gut gefällt mir, dass die politische Situation, der Konflikt zwischen Irland und Großbritannien als Kernelement ausgewählt wurde, was viel geschichtliche Atmosphäre mit einbringt. Durch das Geheimbund-Thema kommt zudem noch eine mysteriöse Stimmung mit ein. Die Auflösung enthält dann auch wieder Teile aus den bekannten Geschichten, geht aber eine gelungene Symbiose mit den neuen Elementen ein und kann so stellenweise noch durchaus überraschen – zumal die Handlung nicht ganz abgeschlossen, der Geheimbund nicht vollständig zerschlagen wird. Diese Folge gefällt mir noch ein bisschen besser als der direkte Vorgänger.

Peter Flechtner ist als Sergeant Mander zu hören, den er sehr lebendig spricht. Er hat genügend Energie, um dem Inspector die Bälle zuzuspielen, kann sich aber auch in den richtigen Momenten zurücknehmen und die anderen Charaktere wirken lassen. Kaya Marie Möller ist als Jenny zu hören, die sie sehr energetisch und ausdrucksstark spricht. Erzähler Rainer Gerlach setzt seine Texte ruhig und bestimmt um, bringt aber auch viel Dynamik und Spannung mit ein. Weitere Sprecher sind Gerald Schöne, Reinhard Kuhnert und Andrea Aust.

Nach der flotten Titelmelodie kann mich die Geräuschkulisse wirklich überzeugen, schon die erste Szene auf dem nebelverhangenen Fluss ist sehr stimmig umgesetzt. Und auch die folgenden Momente sind atmosphärisch inszeniert. Die Musik geht dabei manchmal etwas unter und hält sich eher zurück, diese hätte für meinen Geschmack doch etwas frischer wirken können.

Natürlich ist das titelgebende Halstuch auch auf dem Cover zu sehen und zeichnet sich von dem orangefarbenen Hintergrund nur mit einigen schwarzen Details ab, während die sehr klare Schriftart zurückhaltend dazu ergänzt ist. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es zahlreiche Informationen zu Mitwirkenden nachzulesen.

Fazit: Die Verknüpfung zwischen Elementen aus den Edgar Wallace-Geschichten und den geschichtlichen Entwicklungen im Konflikt zwischen Irland und Großbritannien ist sehr stimmig gelungen und spannend erzählt. Die Charaktere sind stark in Szene gesetzt und in interessanten Konstellationen dargestellt. Auch der leicht humorige Ansatz passt sehr gut dazu, sodass ein sehr gelungenes Hörspiel entstanden ist.

VÖ: 10. März 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-945624-89-0