Sherlock Holmes Chronicles – 38. Das gefleckte Band



Erster Eindruck: Die Frage Wie

Helen Dorner ist entsetzt über den Tod ihrer Zwillingsschwester, die trotz abgeschlossenen Zimmers und bester Gesundheit in einer Nacht verstorben ist. Vor ihrem Tod hat ihre Schwester noch von einem seltsamen Pfeifton berichtet, der scheinbar nur in ihrem Zimmer zu hören ist. Doch als auch Helen das Pfeifen hört, bekommt sie es mit der Angst zu tun und sucht Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf...

Dass die Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle auch heute noch so beliebt sind, ist sicherlich kein Zufall, denn neben seinen so charakteristischen Figuren hat er seinen Geschichten auch immer wieder einen besonderen Kniff verliehen. So auch der Kurzgeschichte „Das getupfte Band“, die als 38. Folge der Sherlock Holmes Chronicles vertont wurde. Denn hier recht von Anfang an ein Motiv klar, und auch die Identität des Täters ist keine Überraschung. Hier stellt sich eher die Frage, wie der Mord verübt wurde, und hierfür wurden zahlreiche Hinweise eingebaut, mal wie nebenbei, mal als offensichtliches Indiz. Dabei entwickelt sich eine ganz besondere Art der Spannung, die gemeinsam mit der dichten Atmosphäre zu einer kurzweiligen Geschichte führt. Toll ist auch, dass gerade die Reduziertheit dieser Produktion die Stimmung so sehr verdichtet, nur wenige lange Dialoge konzentrieren sich voll auf den Fall, der bis zur cleveren Auflösung sehr unterhaltsam gestaltet ist. Dass sich die Macher dabei sehr nah ans Original halten, ist auch hier wieder lobenswert zu erwähnen.

Tatsächlich sind es gerade einmal sechs Sprecher, um diese Handlung zu erzählen, darunter auch die drei bereits bekannten Sprecher Tom Jacobs, Viola Sauer und Till Hagen als Sherlock Holmes. Viola Sauer ist als Helen Stoner gerade in den ersten Szenen sehr präsent und setzt ihre klare Stimme sehr gekonnt ein, um einen zarten und sympathischen Charakter zu schaffen und gleichzeitig ihre tiefe Trauer auszudrücken. Ihre Schwester taucht nur kurz auf, Luisa Wietzorek kann aber auch dabei in Erinnerung bleiben und gestaltet die paar Worte sehr eingängig. Gut gefallen hat mir auch Oliver Stritzel, der den grantigen Unssympath sehr energiegeladen umsetzt.

Zur Steigerung der Atmosphäre wurde für jede Szene ein passender klanglicher Hintergrund geschaffen, so sorgt in der ersten Szene mit dem Bericht von Helen ein prassendes Kaminfeuer für eine behagliche Stimmung. Musik ist in dieser Folge recht wenig im Einsatz, lenkt aber immer wieder die Aufmerksamkeit auf besonders wichtige Szenen oder sorgt für fließende Übergänge.

Das Spiel von Licht und Schatten ist auf dem Cover von Mark Freier richtig gut umgesetzt worden. Zu sehen ist eine junge Frau, die mit fragendem, fast ängstlichen Gesichtsausdruck eine Lampe in die Höhe hält und suchend in die Gegend schaut. Gepaart mit dem dunklen, ein wenig verschwommenen Hintergrund kommt das sehr gut zur Geltung. Im Inneren gibt es wieder einen einleitenden Text zur Folge.

Fazit: „Das getupfte Band“ gehört zu meinen Lieblingsgeschichten von Sherlock Holmes, weil eben nicht die Frage nach dem Täter, sondern nach der Art des Mordes gestellt wird. Das wirft ganz andere Fragen auf und ist mit seiner ruhigen Erzählweise sehr detailliert geschildert. Die gelungene Umsetzung von Winterzeit macht die 38. Folge der Serie zusätzlich hörenswert.

VÖ: 21. April 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6016-3