Sherlock Holmes Chronicles – 37. Der verschwundene Diplomat / Der Rheingauer Prinzenraub



Erster Eindruck: Auf Spurensuche in einem Koffer

Eigentlich sollte der britische Diplomat nach Frankreich reisen, doch dort kommt er nie an. Da es sich um einen Fall von politischer Brisanz handelt, bittet Mycroft Holmes seinen Bruder Sherlock um Mithilfe, denn nur ein leerer Koffer kann Hinweise auf seinen Verbleib geben. Natürlich entdeckt der Meisterdetektiv sofort einige Hinweise, die seinem treuen Begleiter Dr. Watson verborgen bleiben...

Auf der 37. CD der Sherlock Holmes Chronicles von Winterzeit versammeln sich mal wieder zwei in sich abgeschlossene Geschichten, beide stammen dieses mal nicht von Sir Arthur Conan Doyle. Den Anfang macht „Der verschwundene Diplomat“, dessen Inhalt oben kurz angerissen ist. Die ersten Szenen widmen sich dabei ganz den Dialogen zwischen Holmes und Watson und sind sehr treffend geraten, der Meisterdetektiv registriert dabei jeden noch so kleinen Hinweis und deduziert daraus den Hergang des Verschwindens. Trotz der Reduzierung dieses Intros stehen diese den nachfolgenden Szenen keineswegs nach. Hier ermittelt das Duo vor Ort und stellt ihren Feinden eine Falle, wobei mir sehr gut gefallen hat, dass der Hörer genauso wie Watson keine Ahnung hat, wohin dies alles führen soll. Und auch das Auftauchen einer bekannten Figur verleiht der trickreichen Handlung einige passende Stimmung. Die zweite Geschichte mit dem etwas sperrigen Titel „Der Rheingauer Prinzenraub“ hat mich leider nicht so sehr gepackt, der Aufbau ist etwas zu schlicht, es kommt keine wirkliche Spannung auf. Im Gegensatz zur ersten Geschichte kommen auch die Figuren nicht wirklich gut zur Geltung, sodass hier eher eine schwächere Episode vorliegt – was durch den sehr gelungenen ersten Teil aber wieder ausgeglichen werden kann.

Karlo Hackenberger hat hier den Part von Sherlock Holmes übernommen, entwickelt dabei aber nicht die gleiche Strahlkraft wie sein Kollege Till Hagen in dieser Serie. Zwar bringt er den leicht überheblichen Charakterzug der Figur gut zur Geltung, spart aber mit dem humoristischen Element, welches daraus entstehen kann. Konrad Börherz ist in der kleinen Rolle des Kippler gut aufgehoben, seine Sprechweise passt sich an die verschiedenen Situationen gut an. Thomas Krause ist in der zweiten Geschichte in der Rolle des Inspektor Cornelius zu hören, den er konsequent und sehr solide umsetzt. Weitere Sprecher sind Bernd Vollbrecht, Werner Wilkening und Ben Steinhoff.

Die Sherlock Holmes Chronicles sind als inszenierte Lesung umgesetzt, weswegen auch der akustischen Umsetzung viel Aufmerksamkeit zuteil wird. So sind die kleinen Melodien nicht nur während der Szenenübergänge eingebaut, sondern untermalen auch einige besonders wichtige oder spannende Dialoge. Der Geräuschanteil ist zudem recht hoch, wodurch eine lebendige Atmosphäre entsteht.

Der verschwundene Gentleman ist auf dem Cover abgebildet, aristokratisch gekleidet blickt er dem Betrachter ernst entgegen, während im Hintergrund eine alte Dampflokomotive zu sehen ist, der Hintergrund ist dabei wie ein handgeschriebener Brief gestaltet. Das passt alles sehr gut zusammen und schafft ein reizvolles und ansehnliches Cover für diese Folge.

Fazit: Zwei Folgen auf einer CD, und während die zweite etwas schwächelt und keine wirkliche Spannung erzeugen kann, ist „Der verschwundene Gentleman“ eine sehr gelungene Erzählung, die die beiden Hauptfiguren gut wirken lässt und die Deduktion von Holmes in den ersten Szenen in den Mittelpunkt stellt. Das ist undurchsichtig, überraschend aufgelöst und sehr gut komponiert.

VÖ: 17. März 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6015-6