Die schwarze Sonne – 12. Die gekrümmte Zeit



Erster Eindruck: Licht im Dunkeln

Es sind noch so viele Fragen offen, die Adam Salton seinem väterlichen Freund Nathaniel de Solis stellen wollte, noch nach seinem Tod steht Adam ganz allein da. Um Antworten zu finden, kehrt er an den Ort zurück, an dem Michael Verne den Anschlag auf seinen Vater verübt hat. Über 100 Jahre später erfährt Helmut Berger endlich mehr über den geheimen Bund und sein Ziel...

Zugegeben, es war nicht immer ganz leicht mit „Die schwarze Sonne“, nicht nur wegen der Zwangspause, die erst durch Maritim und der elften Folge beendet wurde, sondern auch, weil immer mehr Fragen als Antworten geliefert wurden, weil die Handlung extrem komplex ist und höchste Aufmerksamkeit benötigt. Die zwölfte Folge bringt viel Licht ins Dunkel, fügt dem Puzzle einige essentielle Stücke hinzu und sorgt dabei für einige Überraschungen, aber auch helle Momente. So viele Dinge fügen sich zusammen, und das in einer herausragend erzählten Folge. Wieder wird den verschiedenen Zeitebenen erzählt, das wirkt aber sehr klar und gut nachvollziehbar. Dabei hat mich die erste Szene, eine Zwiesprache zwischen Adam und Nathaniel, wirklich berührt, zumal der philosophische Ansatz der Folge hier besonders gut zur Geltung kommt. Doch auch alle restlichen Momente hinterlassen einen prägenden Eindruck und haben mich völlig mitgerissen. Toll ist besonders, dass die verschiedenen Zeitebenen noch enger miteinander verknüpft werden. Hier wird unüberhörbar das große Finale des Handlungsstranges vorbereitet, aber das auch so wuchtige, intelligente und spannende Weise, das diese Folge zu den Besten der Serie zählt.

Auch die Sprecher geben wieder ihr Bestes und lassen die Figuren und die einzigartige Atmosphäre der Serie aufleben. So ist Stefan Brontlo unter gleich mehreren Pseudonymen zu hören und legt eine solche Intensität in seine Stimme, dass der Hörer mitten in die Szene versetzt wird. Christian Wunderlich ist als Michael Verne dabei, auch er passt sich sehr gut den einzelnen Szenen an und verleiht seiner Figur eine einzigartige Ausstrahlung. Bernd Hölscher ist als Agent Miller dabei und liefert eine sehr saubere und professionelle Leistung ab. Weitere Sprecher sind Michael Wrobel, Michael Prelle und Uwe Hügle.

Was hier unter der Regie von Günter Merlau entstanden ist, gehört zu den Top-Produktionen der Hörspiellandschaft, das Hören der Folge lohnt sich schon allein wegen der akustischen Umsetzung. Da gibt es ganz stille, reduzierte Momente, dann wieder gut abgestimmte Geräusche, dann wieder einen bombastischen Soundtrack – eine tolle Mischung, die auch dieser Folge den letzten Schliff verleiht.

Rot, schwarz und weiß – das sind wieder die einzigen Farben des Covers, welches sich damit gut in die bisherige Reihe einfügt. Passend zum Titel ist ein Netz aus Linien zu sehen, in das ein tiefes Loch zu klaffen scheint. Gemeinsam mit dem tollen Schriftzug ergibt dies ein ansehnliches Titelbild, während die verschnörkelte Schrift im Inneren bestens zur Stimmung des Hörspiels passt.

Fazit: Wer dachte, dass es nach Arabellas schrecklicher Verwandlung nicht mehr intensiver werden könnte, hat sich getäuscht. Denn die vielen Teilstücke, die der Handlung hinzugefügt werden, sorgen nicht nur für viele Aha-Effekte, sondern auch für eine sehr eindringliche und ausdrucksstarke Stimmung, für viele nachdenkliche Momente und für eine insgesamt herausragende Folge, die mich völlig gepackt hat.

VÖ: 17. Februar 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-90-3