Dark Mysteries – 14. Tödliche Träume



Erster Eindruck: Der Chef ist nur der Anfang...

Von seinem Chef wird Jesse Webber wegen seiner Homosexualität immer wieder getriezt und unter Druck gesetzt. Zwar wird er zu Hause von seinem Partner Grady wieder aufgebaut, doch am nächsten Tag wird Schneider grausam ermordet aufgefunden – und genau diese Szenerie hat Jesse des nachts geträumt. Als er dann auch noch das blutige Messer bei sich zu Hause findet, zweifelt er an seinem Verstand...

Oft geht es ziemlich blutig und splatterig zu bei den „Dark Mysteries“, und auch wenn diese Elemente durchaus in der 14. Folge vorhanden sind, stehen diese nicht im Vordergrund. Vielmehr wird eine Art Psycho-Thriller erzählt, bei dem sogar noch eine Spur Sozialkritik mitschwingt. Denn so sehr sich hier auch auf die spannenden Elemente konzentriert wird – die Diskriminierung von Schwulen und Lesben wird hier ziemlich plastisch dargestellt. Nach oben beschriebenen Mord an Schneider entwickelt sich die Handlung schnell weiter, es bleibt nicht bei einem Toten, und Jesse kann bald seinem eigenen Verstand nicht mehr trauen. Dabei schleichen sich auch leise, übernatürliche Elemente in Form eines Traumdämonen mit ein, überhand nimmt aber auch dieser Teil nicht, sodass alles ausgewogen erzählt ist. Die Handlung bietet mehrere Möglichkeiten an, wie die Morde verübt sein könnten, sodass auch der Hörer nie so recht weiß, woran er ist. Die Auflösung kommt zwar nicht ganz unerwartet, ist aber emotional sehr aufgeladen und schließt die Handlung gekonnt ab. Ein solider Psychothriller, der die Gewaltszenen im Gegensatz zu anderen Folgen nicht übertreibt und mit gelungenen Charakteren arbeitet.

Peter Lontzek ist in der Rolle des Jesse zu hören und trägt damit weite Teile des Hörspiels. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme kann er dies gut tragen und setzt während der Handlung immer wieder Akzente, kann die verwirrte Gefühlswelt des jungen Mannes gekonnt darstellen. Sein Partner Grady wird vom wunderbaren Torsten Sense gesprochen, dessen markante Stimme hier einen sehr weichen und einfühlsamen Klang annimmt, mit seiner leicht zickigen Art sorgt er zudem für einige humorvolle Momente. Detlef Bierstedts tiefer Klang bringt als Träumdämon eine unheimliche Komponente mit ein, an der er hörbaren Spaß entwickelt. Weitere Sprecher sind Julia Casper, Friedrich G. Backhaus und Thomas Karallus.

Mir gefällt, wie sich die Traumsequenzen von Jesse auch akustisch von dem Rest abheben, indem eine leicht andere Klangwelt mit der schallenden Stimme des Dämons verbunden wird. Ansonsten sorgt eine passende Mischung aus Musik und Geräuschen für eine Steigerung der Spannung und passend inszenierte Dialoge, sodass jede Szene ihre Wirkung entfalten kann.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, der Schatten eines Mannes fällt auf einen roten Untergrund – zusammen mit dem schwarzen Rahmen und dem schlichten Schriftzug ergibt dies ein passendes Titelbild. Der Klappentext ist wie immer ein eher kryptischer Text aus dem Hörspiel an sich, sodass der Hörer sich nicht zuvor auf das Kommende einstimmen kann. Das Innere ist wie immer schlicht und übersichtlich gestaltet.

Fazit: Endlich mal ein schwuler Hauptcharakter, der sich auch wunderbar klischeefrei durch die Handlung schlägt. Diese ist spannend und geheimnisvoll geraten und fährt den grausamen Splatteranteil der Serie auf ein sehr gelungenes Maß zurück. Der Hörer kann sich nie ganz sicher sein, wie die Handlung aufgelöst wird, und auch wenn die Überraschung dann nicht sonderlich groß ist, ist ein stimmiges und hörenswertes Hörspiel gelungen.

VÖ: 24. Februar 2017
Label: Maritim
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