Sherlock Holmes Chronicles – 35. Holmes soll sterben



Erster Eindruck: Morddrohung mit Folgen

Dass nicht alle Menschen Sherlock Holmes freundlich gesinnt sind, musste der Meisterdetektiv ja schon einige male erfahren. Und so kann ihn auch die unverhohlene Morddrohung in einem Brief nicht aus der Bahn werfen, sofort analysiert er die wenigen Worte, die auf dem Papier sehen – jedenfalls, bis seine Hände plötzlich taub werden und zu zittern beginnen...

Die Sherlock Holmes Chronicles sind zwar als inszenierte Lesung deklariert, erinnern aber dennoch oft an ein Hörspiel. Auf „Holmes soll sterben“ nach einer Geschichte von Heiko Grießbach ist dies aber tatsächlich sehr zurückgefahren, weite Teile der Handlung besteht aus Dialogen zwischen Holmes und Watson oder Erzählanteil des Meisterdetektivs. Wer nun fürchtet, das sei langwierig oder belanglos, irrt gewaltig, denn die Geschichte ist sehr gehaltvoll erzählt und sehr kurzweilig geraten. Gerade aus dieser sehr reduzierten Szenerie zieht die Handlung viel Kraft und reduziert sie auf das Wesentliche: Die Deduktionskraft und Kombinationsgabe der Hauptfigur. Hier werden verschiedene Möglichkeiten ausgelotet und wieder verworfen, bevor im letzten Drittel die Geschichte an Fahrt aufnimmt und nach einigen Wendungen eine wirklich spannende und trickreiche Handlung erzählt, bei der nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. So kommt dann auch eine gewisse Dramatik auf, die der Folge noch einmal einen ganz anderen Anstrich verpasst. Die sehr starke Vorlage wurde intensiv und lebendig umgesetzt, sodass eine richtig gute Folge der Serie entstanden ist.

Bernd Vollbrecht ist in dieser Folge mal wieder als Inspector Lestrade zu hören und verleiht der bekannten Figur seine ganz eigene Note, sodass seine Szenen auch hier gut zur Geltung kommen. Wolfgang Wagner ist in einer kleinen, aber effektiven Nebenrolle zu hören, die er mit viel Energie und einer sehr eingängigen Sprechweise umsetzt. Toll ist auch wieder Till Hagen als Sherlock Holmes, der den Humor der Figur nur sehr leise anklingen lässt und mit seiner tiefen, volltönenden Stimme für sehr intensive Momente sorgt. Weitere Sprecher sind Viola Sauer, Tim Moeseritz und Arne Stephan.

Mir gefällt, wie dynamisch sich die 56 Minuten Laufzeit hier entwickeln und die Akustik mit der Spannungskurve der Geschichte mitgeht. So sind die besonders spannungsgeladenen Momente mit passender Musik unterlegt, während sich ruhigere Momente nur auf die Dialoge konzentrieren oder nur mit einigen Geräuschen unterlegt sind.

Die triste Szenerie auf dem Cover passt dazu sehr gut, der Grabstein mit dem Namen der bekannten Romanfigur beschriftet ist. Einige kahle Äste, eine Krähe und zahlreiche weitere Kreuze im Hintergrund ergänzen dieses kühl wirkende Titelbild. Dieses ist auch auf der CD abgedruckt, während im Inneren des kleinen Booklets ein kleiner einleitender Text von Markus Winter zu finden ist.

Fazit: Die Folge ist sehr dynamisch erzählt, da sie sowohl sehr reduzierte Dialoge als auch aufregende und spannende Momente enthält. Dass dabei Holmes selbst das Opfer ist, macht die Folge natürlich noch interessanter, wobei einige sehr gelungene Kniffe angewendet wurden, um die Geschichte am Laufen zu halten. Sehr gut aufeinander abgestimmt und lebendig erzählt.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: WInterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2452-4