Morgan und Bailey – 9. Der werfe den ersten Stein



Erster Eindruck: Wichtiges Thema in beschaulicher Atmosphäre

Das sonst so ruhige Heaven's Bridge gerät in Aufruhr, als eine muslimische Familie hinzuzieht und ein Geschäft in dem Küstenörtchen eröffnen will. Mitten in dieser aufgeheizte Stimmung bekommt die Polizei einen Hinweis aus der Bevölkerung, dass der Sohn der Familie einer Terrorzelle angehört. Tatsächlich wird eine große Menge Sprengstoff in der Garage gefunden, doch Charles Morgan und Rose Bailey wollen nicht an die Schuld des freundlichen Jungen glauben...

Während sich die bisherigen Folgen von Morgan und Bailey eher auf die alteigesessenen Charaktere des kleinen Dorfes konzentriert haben, das eher wie eine kleine Parallelwelt wirkte, haben sich die Autoren Markus Topf und Timo Reuber einem sehr aktuellen Thema angenommen: Fremdenhass. Denn auch in den USA gibt es große Vorbehalte gegen Andersgläubige oder Menschen mit dunklerer Hautfarbe, viele der hier thematisierten Vorurteile gibt es auch bei uns. Toll und mutig, sich einem so wichtigen Thema anzunehmen, was sehr sensibel umgesetzt wurde. Zum einen gehen die beiden Geistlichen gekonnt auf die Vorbehalte ein und entkräftigen diese, zum anderen gibt es einen kleinen Perspektivwechsel, in dem die Betroffenen selbst ihre Meinung äußern können. Einen Kriminalfall gibt es natürlich auch noch, er ist gekonnt in die Szenerie eingebettet und gar nicht so leicht zu durchschauen. Zwar glaubt man zu keinem Moment ernsthaft, dass der freundliche Nabil Ibrahim etwas mit einer islamischen Terrorzelle zu tun haben könne, doch an Motiv und Verdächtige gibt es gleich mehrere. Das ganze spielt auf einer realistischen Ebene und passt damit bestens in die Reihe, zumal die Auflösung kurzweilig erzählt wurde. Eine sehr runde Folge der Serie, die nicht nur mit den charmanten Figuren, sondern auch dem wichtigen und aktuellen Thema überzeugen kann.

Christian Zeiger ist in der Rolle des Nabil Ibrahim zu hören, er wirkt dabei sehr souverän und stellt den jungen Mann freundlich und gradlinig dar, seine ruhige Art bringt eine angenehme Atmosphäre in die Handlung mit ein. Seine Mutter wird von Anette Gunkel gesprochen, durch ihre lebendige Sprechweise kann man sich gut in ihre Situation einfühlen. Sven Plate setzt seine einzigartige Stimme sehr gekonnt ein, um die Rolle des Dewey sehr eingängig zu gestalten. Weitere Sprecher sind Lutz Riedel, Luisa Wietzorek und Douglas Welbat.

Die akustische Gestaltung der Folge ist wie immer unaufgeregt und stimmig, was sehr gut zu der erzählten Geschichte passt. Die Soundeffekte sind eher leise im Hintergrund eingebaut und sorgen für eine stimmige Szenerie, während Musik während einiger Szenenwechsel für sanftere Wechsel sorgt und dabei eine beschwingte Atmosphäre erzeugen.

Das Bibelzitat als Folgentitel hat mir äußerst gut gefallen und passt bestens zu der Folge, auf dem Titelbild wurde dafür auch noch das passende Motiv gefunden: Ein Stein, der in einer Lache aus Blut liegt. Beides hebt sich gut von dem dieses mal tiefblauen Hintergrund ab, wobei auch ein in Flammen stehendes Gebäude zu sehen ist – der Sinn dahinter erklärt sich im Laufe der Handlung.

Fazit: Der Charme der Hauptfiguren kommt zwar wieder sehr gut zur Geltung, doch im Mittelpunkt steht der Hass, der sich gegen eine muslimische Familie richtet. Dieses Thema ist sehr feinfühlig umgesetzt und wird aus mehreren Perspektiven beleuchtet, zumal der Kriminalfall gut darin zur Geltung kommt. Ruhig und konsequent erzählt!

VÖ: 16. Juni 2017
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-945757-63-5