Sherlock Holmes – 32. Der Verlust des amerikanischen Gentlemans -2-



Erster Eindruck: Abschluss mit geschichtlichem Bezug

Zwar konnte Sherlock Holmes schon einige wichtige Indizien sammeln, um seinen Mandanten William Harley zu entlasten, doch die Öffentlichkeit sieht in ihm immer noch einen Mörder. Auch Scotland Yard, namentlich Inspector Cross, trägt nicht sonderlich zur Aufklärung bei. Und so muss der Meisterdetektiv wieder tief in seine Trickkiste greifen, um den wahren Mörder zu überführen...

Mit Mehrteilern ist es ja immer so eine Sache – einerseits ist es natürlich von Vorteil, eine Geschichte über längere Zeit zu erzählen und so auch komplexere Verbrechen darzustellen, birgt aber auch die Gefahr, zu langatmig zu werden und die Ereignisse in die Länge zu ziehen. Auf den zweiten Teil von „ Der Verlust des amerikanischen Gentlemans“ trifft letzteres glücklicherweise nicht zu, alles hat hier seinen festen Platz, und trotz des eher langsamen Erzähltempos kommt hierbei keine Langeweile auf. Kenntnisse aus dem ersten Teil sind obligatorisch, denn eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse wird hier nicht angeboten, sodass einem viele Feinheiten und Details antgehen würden. Die Ermittlungen werden dabei zunächst nahtlos fortgesetzt, schlagen aber noch einmal durch einen gelungenen Kniff eine andere Richtung ein. Das Finale ist dann fast schon klassisch zu nennen, in einer langen, aber sehr gut erzählten Ausführung überführt Holmes den Täter. Sehr gut gefallen hat mir dann auch die letzte Sequenz, in der diese Folge Bezug zu einem real existierenden Unternehmen nimmt und Holmes zudem in fast schon prophetischer Weise den nahenden Krieg ankündigt – ein wenig Gesellschaftskritik ist dabei inklusive. Dieser zweite Teil hat mir noch ein bisschen besser gefallen als sein Vorgänger, da er noch gradliniger und flüssiger erzählt wurde.

Charles Rettinghaus ist natürlich auch hier wieder als Sherlock Holmes zu hören und wählt dabei eine recht ernste Sprechweise, kann aber auch die leicht überheblichen Züge der bekannten Figur abfedern und ihn so dennoch sympathsich wirken lassen. Gerhard Acktun ist in einer wichtigen Rolle für die Handlung zu hören und gestaltet diese sehr intensiv aus, er spricht sehr eingängig und hebt sich mit speziellen Eigenheiten von den anderen Sprechern ab. Ach Frank Felicitti liefert eine glaubhafte Leistung ab und passt sich gut der Stimmung der Folge an. Weitere Sprecher sind Florian Halm, Leonhard Mahlich und Konrad Bösherz.

Akustisch wird wieder eine sehr solide Leistung abgeliefert, die das bisherige Sounddesign der Serie aufgreift und eine ruhige Atmosphäre bietet, in der die Sprecher und ihre Dialoge unangefochten im Mittelpunkt stehen. Zwar sind auch immer wieder Geräusche und ab und an eine kleine Melodie zur Auflockerung im Einsatz, diese lenken aber nie von der Geschichte ab.

Auch auf diesem Cover wurde als Motiv ein Foto in schwarz-weiß gewählt, das dieses mal ein Gasthaus der damaligen Zeit zeigt. Das vermittelt viel Stimmung und passt gut zur Handlung, offenbart aber keine entscheidenden Details. Im Inneren gibt es zwar keine weiteren Extras, allerdings werden die Mitwirkenden an dieser Folge übersichtlich dargestellt.

Fazit: Nach einer starken Auftaktfolge zum Zweiteiler setzt diese Episode sogar noch etwas drauf und wird etwas straffer erzählt. Dabei kommen alle Elemente gut zur Geltung und sorgen für einen flüssigen und spannenden Verlauf. Die Auflösung ist gekonnt inszeniert, auch die kleine Outroszene punktet mit einem geschichtlichen Bezug. Hörenswert!

VÖ: 9. Juni 2017
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-283-6