Der Kinderfresser



Erster Eindruck: Das nette Monster unter dem Bett...

Cilly hat furchtbare Angst, denn sie weiß, dass unter ihrem Bett ein Monster lauert. Während ihre Mutter ihr jeden Abend lange Geschichten vorliest, um sie zum Einschlafen zu bewegen, ist ihr Vater ziemlich ärgerlich und meint, mit ihren neun Jahren müsste sie mit den Geschichten aufhören. Doch in einer Nacht kriecht das Monster tatsächlich unter dem Bett hervor, entpuppt sich aber schnell als ziemlich freundliches Wesen, dass Cilly helfen will...

Mit „Der Kinderfresser“ hat Klaus Strenge das Skript zu einem wundervollen Hörspiel geschrieben, dass sich mit einem Thema auseinandersetzt, dass bei Kindern oft sehr präsent ist: Die Angst vor einem Montser unter dem Bett. Das ist ein sehr gelungener Aufhänger, aber hintergründig geht es noch um viel mehr, ums Erwachsenwerden, darum, sich Problemen zu stellen. Verpackt ist das in eine ziemlich phantasievolle Geschichte, die zunächst einige Alltagssituationen aus Cillys Familie zeigt und so die Charaktere vorstellt. Dieser Einstieg ist schon sehr gelungen, doch später mit dem Auftauchen des Kinderfressers wandelt sich die Geschichte in ein Märchen mit ziemlich niedlichen Figuren, Ideen und Wortspielereien: Der Frosch im Hals, die Akrobarden und natürlich die titelgebende Figur sind nur einige Beispiele hierfür. Neben Cillys Abenteuern in dem fremden Land, in die sie der Kinderfresser mitnimmt, sind auch immer wieder Episoden von anderen Figuren zu hören, was ein sehr kreatives Gemisch ergibt. Und man bekommt die Entwicklung von Cilly hautnah mit, erlebt, wie sie mutiger wird und sogar ihren Vater retten kann. Der Verlauf ist kindgrecht spannend und unterhaltsam, immer wieder sind kleine Weisheiten eingestreut, und auch ein wenig subtile Kritik an der modernen Welt sind zu finden.

Cilly wird von Noe Marie Vondey gesprochen, die ihrem hellen Klang viel Energie verleiht und trotz ihres jungen Alters ihre Figur meist sehr flüssig und authentisch spielt. Doch auch viele prominente Stimmen sind zu hören, so spricht Christoph Maria Herbst ihren Vater und legt eine gewisse Strenge und viel von seinem typischen Humor in seine Stimme, er hat mir auch in dieser Rolle sehr gut gefallen. Berhard Hoecker ist als Blindenschweinchen zu hören, auch er trifft genau den Humor der Vorlage und liefert eine lebendige und liebenswerte Leistung ab. Weitere Sprecher sind Hella von Sinnen, Jürgen von der Lippe und Markus Maria Profitlich.

Die phantasievolle Geschichte kommt auch durch den sehr gelungenen Einsatz von Musik und Geräusche so gut zur Geltung. Die Musik kann die Spannung der Handlung gut transportieren und hat zaubert viele passende Klänge hervor, während die Geräusche die Dialoge lebendiger wirken lassen und den Szenen einen individuellen Klang verleihen.

Ganze drei CDs mit über 200 Minuten Laufzeit umfasst das Hörspiel, und diese sind in sehr ansehnliches Digipack verpackt. Mehrfach aufklappbar und mit vielen witzigen Zeichnungen und Zitaten versehen macht dieses einen sehr guten Eindruck, den das Booklet mit Fotos der Sprecher und weiteren Informationen ergänzt. Die dunkelblaue Gestaltung ist auch auf dem Cover zu sehen, das eine liebevolle Zeichnung des Kinderfressers mit Cilly und dem Frosch im Mund vor dem vollen Mond zeigt.

Fazit: „Der Kinderfresser“ ist eine spannende, märchenhafte Erzählung voller liebevoller Elemente, die von dem Loswerden der Angst eines kleinen Mädchens erzählt. Das macht richtig viel Spaß und entführt die Kinder in eine fremde Welt, enthält aber auch viele tolle Weisheiten, die versteckt eingebaut wurden. Die wundervollen und engagierten Sprecher lassen alles sehr gut wirken.

VÖ: 16. Februar 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5452-8