Der Kaugummigraf



Erster Eindruck: Leben im alten Bahnhof...

Zurückgezogen in einem verlassenen Bahnhof wohnt ein alternder Graf, der sein Leben mit Teezeiten und viel Grübeln sehr durchgeplant hat. Doch dann taucht Eli wie aus dem Nichts aus, eine kleine Ausreißerin, die sein Leben durcheinander bringt, ihn aber sogar dazu bringt, was es mit seiner großen Kaugummisammlung auf sich hat. Doch nur plaudern können beide nicht lange, denn bei beiden stehen einschneidende Veränderungen an...

Schon der Debutroman der Kinderbuchautorin Kirsten Reinhardt wurde recht schnell auch als Hörspiel umgesetzt, genauso ging es nun auch „Der Kaugummigraf“, das vom WDR vertont und bei Silberfisch auf CD auf den Markt gebracht wurde. Es ist die Begegnung von zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, einem alten, etwas grummeligen Mann und einem aufgeweckten jungen Mädchen. Dies wurde gespickt mit vielen kleinen Geschichten, die der Graf zu erzählen weiß und die nicht nur sehr liebenswert sind, sondern auch einige sehr schöne Werte transportieren – versteckt und hintergründig, aber dennoch auch für Kinder greifbar. Doch später kommen noch weitere Probleme auf, die sowohl den Kaugummigrafen als auch Eli betreffen und ihr Leben ordentlich aufwirbeln können. Umso schöner ist es zu hören, wie beide schnell zusammenwachsen, füreinander einstehen und helfen. So löst sich am Ende alles in einem wunderschönen Ende auf, was nach 53 kurzweiligen Minuten passiert. Die sanfte und liebevolle Atmosphäre der Produktion, die vielen eingängigen Momente und die skurrilen Figuren lassen „Der Kaugummigraf“ zu einer sehr hörenswerten Produktion für Kinder werden, dem auch Erwachsene mit Hang zu solchen Geschichten gern lauschen werden.

Horst Sachleben ist in der Rolle des Kaugummigrafen zu hören, aus seiner Sicht wird erzählt, sodass er den größten Redeanteil an der Geschichte hat. Zunächst klingt er noch etwas reserviert, taut aber immer weiter auf und lässt dies auch in seiner Stimme hörbar werden, indem er wärmer klingt und seine skurrilen Seiten mehr nach vorne rückt. Lia Danisch ist sein Gegenpart als aufgeweckte Eli, die sehr authentisch spricht und das aufgedrehte Mädchen sehr gekonnt darstellt, besonders in den späteren Szenen habe ich sie als sehr stark empfunden. Auch Ulrike Bliefert liefert in einer Nebenrolle eine sehr solide Leistung ab. Karin Buchali und Astrid Meyerfeldt ergänzen das Sprecherquintett.

Die Musik stammt von Felix Rösch, der sehr gut auf die Stimmung der Buchvorlage eingegangen ist. Die sehr gute Anpassung der Melodien an die Szenen schafft hier eine dezente, aber sehr passende Atmosphäre. Gut gelungen auch der vorsichtige Einsatz von Geräuschen, die einige der Geschichten lebendiger wirken lassen.

Die beiden Hauptfiguren sind auf dem Cover in schlichtem Comicstil abgebildet, wobei der ovale Rahmen ein altes Portait andeutet. Das kräftig hellblaue Design deutet am oberen Rand und im Inneren noch eine Kaugummiverpackung an. Dort sind auch die Sprecher und die weiteren Produktionsdaten aufgelistet, weitere Informationen sind in dem Digipack leider nicht enthalten.

Fazit: Zwei Charaktere wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und dennoch läuft ihr Aufeinandertreffen freundlich und tiefgehend ein. Denn nicht nur die vielen kleinen Geschichten beleuchten ihre ganz besondere Beziehung, sondern auch die ganz persönlichen Veränderungen. Das ist liebevoll und eingängig geschildert, sodass ein sehr hörenswertes Hörspiel gelungen ist, das an einigen Stellen aber etwas zu schnell erzählt wurde.

VÖ: 28. April 2017
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-86742-332-8