Der Krieg der Welten



Erster Eindruck: Science Fiction-Klassiker in ausführlicher Hörspielumsetzung

London, Ende des 19. Jahrhunderts, mitten im viktorianischen Zeitalter: Einige Meteroriten schlagen auf dem Planeten ein, werden aber lediglich von einer Gruppe Polarforscher entdeckt. Doch der Reporter Alfred Harmsworth entdeckt Parallelen zu einem weiteren Fall und stellt Nachforschungen an – nicht ahnend, welcher Schrecken sich ihm noch offenbaren wird...

Um „Krieg der Welten“ ranken sich so einige Mythen, so soll eine als Radiobericht inszenierte Hörspielumsetzung eine Massenpanik ausgelöst haben, da einige Hörer die Geschichte für Realität gehalten haben sollen. 70 Jahre nach dem Tod von Autor H.G. Wells hat die Mediabühne nun eine Neuinszenierung produziert und im Vertrieb bei Lübbe Audio veröffentlicht. Satte vier CDs mit einer Laufzeit von viereinhalb Stunden sprechen schon für eine sehr detaillierte Umsetzung des Romans, und tatsächlich wurde allen Szenen, allen Elementen viel Raum gegeben, um sich zu entfalten. Schon die ersten Szenen um die Polarexpedition sind sehr intensiv umgesetzt und offenbaren einigen Schrecken, wobei diese Szene in eine leicht andere Richtung geht als der Rest. Spätestens mit dem Schwenk auf Alfred verdichtet sich die Stimmung dann immer weiter, die Invasion der Außerirdischen wird mit viel Wucht und einer stetig steigenden Spannung umgesetzt. Mir gefällt besonders, dass die Charaktere nicht nur bloße Figuren in einem Action-Spektakel sind, sondern viel Wert auf ihren Hintergrund, ihre Eigenschaften und ihre Entwicklung gelegt wird. Und so präsentiert sich diese Umsetzung sehr ausgewogen, ist zwar an einigen Stellen etwas lang geraten, bringt dafür aber auch die verschiedenen Versatzstücke des Romans gut zur Geltung.

Gordon Piedesack ist in der Rolle des Alfred Harmsworth zu hören und gestaltet diese mit viel Energie und setzt seine markante Stimme sehr gut ein, um auch die kleinsten Regungen des Reporters authentisch darzustellen. Auch Sascha Rotermund überzeugt mit einem sehr eingängigen Klang und setzt immer wieder gekonnt Akzente, um die Role des Cillian McBiggs eine sehr präsente Aura zu verleihen. Andreas Fröhlich passt sich sehr gut diesem für ihn ungewohnten Genre an, verbannt die Heiterkeit aus seiner Stimme und liefert eine sehr ernstafte und eindringliche Darstellung ab. Weitere Sprecher sind Santiago Ziesmer, Michael Bideller und Rüdiger Schulski.

Die Mediabühne hat eine sehr solide akustische Umsetzung abgeliefert und hat eine sehr lebendige Stimmung für die Szenen geschaffen. So ist die Musik geschickt eingesetzt, überdeckt nie die Dialoge und beeinflusst dennoch stark die Atmosphäre. Auch die Geräusche konnten mich überzeugen, sie sind gut ausbalanciert und schaffen es immer wieder, die Gespräche lebendiger wirken zu lassen.

Eine dicke, stabile Pappbox zum Aufklappen ist als Verpackung gewählt worden, die die vier CDs in jeweils einer normalen Plastikhülle beinhaltet. Dabei wurde jeweils ein individuelles Cover geschaffen, die sich durch die Aufteilung und den Schriftzug jeweils ähneln, im oberen Teil aber jeweils ein passendes Motiv zur Handlung zeigen. Im Inneren gibt es einen kurzen, einleitenden Text über das Hörspiel sowie Informationen über die Mediabühne.

Fazit: Der Klassiker der Science Fiction-Literatur ist hier sehr ausführlich und eingängig umgesetzt worden, wobei auch die Charaktere sehr gut zur Geltung kommen. Die Geschichte entwickelt sich stückchenweise weiter und entfaltet so langsam ihren Schrecken, ist dabei dynamisch und spannend umgesetzt worden. Sehr gelungen!

VÖ: 24. April 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5513-6