Sherlock Holmes – 28. Eine Studie in Scharlachrot



Erster Eindruck: Der Anfang einer ungewöhnlichen Freundschaft

Als Kriegsveteran kehrt Dr. John Watson nach London zurück, weiß aber zunächst nicht, wie er an eine bezahlbare Wohnung kommen soll. Über einen gemeinsamen Bekannten lernt er Sherlock Holmes kennen, und trotz der sehr unterschiedlichen Charaktere beschließen sie, zusammen zu ziehen. Was Watson noch nicht ahnt: Holmes arbeitet als Privatdetektiv und zieht auch ihn in seine Ermittlungen mit ein...

Das Gespann aus Sherlock Holmes und Dr. Watson ist so gut aufeinander abgestimmt, dass es auch dem Hörspielhörer so vorkommt, als sei es schon ewig miteinander verbandelt. Doch Sir Athur Conan Doyle, der Autor der Geschichten, hat auch das Kennenlernen der beiden Charaktere in einem Fall verarbeitet, der nun von Titania Medien als 28 Folge der fortlaufenden Serie umgesetzt wurde. Es ist kein klassischer Fall, der erzählt wird, dafür wird zu viel auf die beiden Charaktere eingegangen, Holmes zu sehr in seiner Person mit seinen Macken und Eigenheiten dargestellt. Der eigentliche Fall rückt da stellenweise schon etwas in den Hintergrund – was aber gar nicht schlimm ist, da der erzählerische Teil äußerst unterhaltsam geraten ist. Die Dialoge sind sehr spritzig und gehen sehr gut auf die ganz besondere Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren ein, aber beispielsweise die Momente mit Mrs. Hudson als Vermieterin der beiden sorgen für eine große Portion Humor. Erst auf der zweiten CD des zweistündigen Hörspiels kommt der Fall in Schwung, und auch wenn es nicht die stärksten oder trickreichsten Ermittlungen des Gespanns sind, sind diese durchaus kurzweilig erzählt. Das liegt auch an dem sehr guten Drehbuch, das die Originalgeschichte sanft gestrafft hat und dennoch den Geist oder den Ausdruck nicht verändert hat. Eine tolle Umsetzung des Klassikers, wobei der Fokus hier mehr die Charaktere denn auf die Geschichte gelegt wurde.

Und diese kommen durch die hervorragenden Sprecher auch wieder bestens zur Geltung. Joachim Tennstedt hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, den Sherlock Holmes zu sprechen, und dabei bringt er den feinen Humor sehr subtil zur Geltung, kann aber auch die etwas reservierte Art des Detektivs gut in Szene setzen. Detlef Bierstedt ist als Dr. Watson ebenso gut besetzt, er steht hier noch etwas mehr im Mittelpunkt als sonst und schafft eine sehr ausgewogene Umsetzung, wobei er mit seiner Stimme den Spannungsbogen der Handlung nachzeichnet und bestens mit Tennstedt harmoniert. Peter Reinhardt hat mir in der Rolle des Inspector Gregson sehr gut gefallen, mit bissiger Art und ausdrucksstarker Stimme sorgt er für ein gelungenes Element in der Handlung. Weitere Sprecher sind Patrick Bach, Wilfried Herbst und Marianne Mosa.

Titania Medien steht für eine sehr eingängige Umsetzung ihrer Produktionen. Auch hier ist alles sehr gut aufeinander abgestimmt, allerdings nicht so opulent wie beispielsweise beim Gruselkabinett. Dafür gibt es einige stimmungsvolle Melodien, die sich gut mit den Geräuschen verbinden und so die Geschichte lebendig wirken lassen.

Der junge Sherlock Holmes steht im Mittelpunkt des Cover und erinnert dabei unverkennbar an die Darstellung der Figur in einer populären TV-Serie, wie er mit dem vollen, leicht welligen Hauptharr und hochgeschlossener Kleidung seine Experimente durchführt. Die Laborumgebung und im Hintergrund Watson und der gemeinsame Freund werden stimmig dazu kombiniert.

Fazit: Eine ungewöhnliche Folge, da das Kennenlernen der beiden Freunde Holmes und Watson sehr im Mittelpunkt steht. Das ist sehr unterhaltsam und kurzweilig erzählt, und auch der ganz besondere Humor der Figuren kommt bestens zur Geltung. Die Umsetzung überzeugt mit stimmigen Dialogen und einer sehr gelungenen Charakterdarstellung.

VÖ: 16. März 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5385-9