Tintenherz (Cornelia Funke)



Erster Eindruck: Ein Fantasyspektakel sondergleichen

Die zwölfjährige Meggie wohnt bei ihrem Vater Mo, einem passionierten Buchbinder, und hat bis auf ein paar Umzüge ein ruhiges Leben, bis eines Tages der rätselhafte Staubfinger auftaucht und mit Mo ein merkwürdiges Gespräch hat, das Meggie belauschen kann. Direkt am nächsten Tag brechen Mo und seine Tochter in Begleitung von Staubfinger zu Meggies verschollener Mutter Elinor auf, die eine riesige Auswahl an kostbaren Büchern hat. Doch der böse Capricorn und seine Männer sind nur hinter einem einzigen Buch her, dem unscheinbaren Tintenherz…

Der Roman Tintenherz bildet den furiosen Auftakt zu einer Trilogie von Cornelia Funke, ist ein zu Recht absoluter Top-Seller und auch im Kino zu bewundern. Unter dem Label GoyaLit aus dem Hause Jumbo ist auch eine Hörbuchfassung mit Rainer Strecker als Erzähler erschienen. Doch funktionieren die Magie, die Spannung und die wunderschöne Atmosphäre des Buches auch hier? Sehr gut sogar! Von der ersten Minute an fesselt die fantastische Geschichte mit vielen Details und einer intensiven Grundstimmung und bindet den Zuhörer ins Geschehen ein. Es geht um den Zauber gesprochener Worte und um die Schönheit von Geschichten, verpackt in eine fesselnde Story, die neben tiefgründigen und liebenswerten Figuren und vielen Anspielungen auf bekannte Bücher mit der Sehnsucht nach Abenteuern spielt, die wohl jeder schon während des Lesens eines Buches empfunden hat. Doch auch die tragische Geschichte um Staubfinger, die aufkeimende Liebe bei Meggie und das unglaubliche Verschwinden von Meggies Mutter tragen ihren Teil zu diesem grandiosen Meisterwerk bei.

Keine leichte Aufgabe für Rainer Strecker, eine Geschichte die von der Lebendigkeit einer Stimme berichtet, richtig in Szene zu setzen. Doch mit seiner feinfühligen Art und einer intensiven Sprechweise schafft er genau das, was in dem Buch beschrieben wird: Er erweckt die Figuren zum Leben. Auch wenn er nur Nuancen ändert, verleiht er jedem Charakter seine eigene Stimmlage, sei es die schnippische und resolute Elinor, der boshafte Capricorn oder der liebenswerte Mo. Selbst bei längeren Dialogen fällt es so nicht schwer, der Unterhaltung zu folgen. Beeindruckend ist auch, dass er trotz seiner langsamen und betonten Sprechweise Dynamik entwickeln kann und so trotz der Länge von über 17 Stunden die Zeit für den Hörer extrem schnell vergeht.

Die Geschichte wird einzig und allein von Rainer Strecke getragen und kommt ohne jegliche Hintergrundgestaltung aus. Die Musik, die immer mal wieder eingespielt wird, zum Beispiel um einzelne Kapitel abzutrennen, kann mich leider nicht so sehr überzeugen. Sie wirkt zu experimentell, die außergewöhnlich, oftmals auch zu fröhlich. Ich hätte mir gediegeneres gewünscht, vielleicht vom Thema Mittelalter gewünscht. Doch aufgrund der kurzen Laufzeiten der Musiktracks ist dieses sicherlich zu verkraften.

Dieses Hörbuch ist mittlerweile in verschiedenen Versionen erhältlich. Gemeinsam haben sie alle die wunderschöne und passende Covergestaltung, die auch schon das Buch zierte. Die kreativ gestalteten Großbuchstaben, die einem alten Buch zu entspringen scheinen, könnten keinen besseren Eindruck von der Stimmung des Buches geben. Lobend erwähnt sei noch die ausführliche Angabe der Tracks auf den einzelnen CDs.

Fazit: Ein absolutes Hörbuchhighlight, das von der faszinierenden Geschichte und dem grandiosen Rainer Strecke getragen wird. Wunderschön!