Gespenster-Krimi – 12. Der gehörnte Abt



Erster Eindruck: Atmosphärisches Intro, ungewöhnliches Ende

Ein Arztbesuch bringt dem jungen Daniel Gewissheit: Der Krebs ist zurückgekehrt, die Heilungschancen liegen bei Null. Ein paar Monate hat er noch zu leben, und diese möchte er gemeinsam mit dem befreundeten Aaron und Lucia verbringen. Gemeinsam fahren die von ihrem Vater tyrannisierten Geschwister mit ihm in ein spanisches Waldgebiet, wo sie auf eine mekrwürdige Nonne treffen...

Wer die obige Beschreibung der Handlung zum zwölften Gespenster-Krimi gelesen hat, wird sich wohl fragen, wo die sonst so typischen übernatürlichen Elemente in der Handlung untergebracht sind. Tatsächlich werden die ersten Minuten dafür genutzt, die Charaktere und ihre sehr spezielle Situation ausführlich vorzustellen, und um den Hörer dennoch nicht allzu lang auf das Aufkommen von Spannung warten zu lassen, wurde zunächst eine kleine Szene vorangeschaltet, in der das Böse zu Hören ist – ein gelungener Startschuss. Und auch danach sind durch unterschiedliche Handlungsstränge interessante Aspekte enthalten, denn nicht immer ist sofort klar, wie alles zusammenhängt. Das Grauen baut sich langsam auf und steigert sich dann immer weiter, doch die Handlung wirkt manchmal etwas konfus – immer wieder muss man sich auf eine neue Situation einstellen, was einem nicht immer leicht gemacht wird. Später, wenn man dem Geheimnis auf die Spur gekommen ist, steht noch ein sehr packendes Finale an, das anders ausgeht, als man es vielleicht erwarten würde. Und so ist eine insgesamt sehr gute Folge der Gespenster-Krimis entstanden – und das trotz des etwas merkwürdigen Titels.

Christian Zeiger ist in der Rolle des Daniel gut besetzt, er kann sowohl die anfänglichen Szenen um seine Krebserkrankung sehr ausdrucksstark darbieten, als auch den späteren Horror mit seiner Stimme sehr gekonnt einfangen. Die großartige Luise Lunow setzt mit ihrem knarzigen Klang wieder viele Akzente und lässt ihre Szenen sehr eindringlich wirken. Als Erzählerin wurde Alexandra Lange ausgewählt, die sich auch hier zurückhält und mit leiser, bedrohlicher Stimmung für spannende Momente sorgt. Weitere Sprecher sind Sven Plate, Luise Wietzorek und Karin Lieneweg.

Andy Muhlack ist für die Musik dieser Folge verantwortlich, welche er gut an den Spannungsbogen der Handlung angepasst hat. So gibt es während der ersten Szenen nur einige zurückhaltende Melodien, im späteren Verlauf aber dramatischere Momente, die sehr gut akustisch untermalt werden. Dafür sorgen auch wieder zahlreiche Geräusche, die auch mal etwas lauter sein dürfen.

Der gehörnte Abt ist nicht nur der Titel des Hörspiels, sondern natürlich auch auf dem Cover abgebildet. Sein Gesicht ist nicht zu sehen, sondern genretypisch unter einer weiten Kapuze verborgen. Die Hörner werden durch durchscheinende Schatten angedeutet, die dunklen Flügel an seinem Rücken sind da schon prägnanter. Im Inneren gibt es die üblichen Angaben und viel Werbung für weitere Produktionen der beiden Label.

Fazit: Der Aufbau der Folge ist ungewohnt, da viel Wert auf eine ausführliche Vorstellung der Charaktere gelegt wird. Doch alles fügt sich gut und kurzweilig zusammen, zumal die verschiedenen Handlungsstränge für eine dynamische Wirkung sorgen. Das letzte Drittel ist das stärkste, insbesondere das packende Finale ist positiv hervorzuheben.

VÖ: 17. März 2017
Label: Contendo Media / Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-945757-50-5