Mindnapping – 26. Es ist Zeit



Erster Eindruck: Ausflug in die Einsamkeit

Noah Forsberg, ein engagierter Psychologe, hat drei Frauen in der Betreuung, deren Leben aus der Bahn geworfen wurde. Sei es ein gewaltbereiter Partner, die Totgeburt eines Babys oder ein Leben als Prostituierte – bei jeder der drei diagnostiziert er eine depressive Phase. Und so entschließt er sich, mit seinen Patientinnen einige Tage in einer weit abgelegenen Hütte in Skandinavien zu verbringen und ihre Seele wieder zu heilen. Doch bald beginnt ein Alptraum für alle Beteiligten...

Auch das Genre Thriller kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben, und auf eben dieser Klaviatur schlägt „Mindnapping“ immer wieder neue Töne an. So werden aus der 26. Folge sämtliche Actionelemente entfernt, das Tempo gedrosselt und der Fokus ganz auf die Charaktere gelegt – herausgekommen ist „Es ist Zeit“, welches eine sehr eigenständige Ausstrahlung hat und sehr interessante Ideen mit einbringt. In kleinen Einspielern werden zunächst die drei Patientinnen Elin, Alice und Alva in besonders dramatischen Szenen vorgestellt, auch eine Einschätzung der Diagnose durch Noah wird dem Zuhörer präsentiert. Auch wenn hier noch nicht ganz klar ist, wie sich alles entwickeln wird, findet man schnell in die Geschichte hinein, weil alles so realistisch und eindringlich erzählt wurde. Mit dem Aufbruch der abgelegenen Hütte entsteht dann auch eine „richtige“ Handlung, die jedoch nur sehr behutsam vorangetrieben ist – den Machern war es hier deutlich wichtiger, die einzelnen Momente auszukosten und die psychischen Erkrankungen und deren Entwicklung fundiert darzustellen. Zwar gibt es immer mal wieder eine Szene, die die Spannung steigert und die aufhorchen lässt, der ruhige Grunddton bleibt aber bis zum Schluss bestehen. Und dieser ist ganz im Stil der Serie gehalten und stellt alles sicher geglaubte in ein gänzlich anderes Licht, auch wenn der Bruch doch etwas zu drastisch wirkt und den einzigen Stolperstein dieser Folge bietet. Wer knallige Action sucht, ist hier definitiv falsch, dieser sehr subtile Thriller lebt nämlich von seiner intensiven Stimmung, kann dabei aber mit unkonventionellen Ideen überzeugen.

Es sind gerade einmal fünf Sprecher zu hören, wobei Norman Matt als Ole nur sehr kurze Auftritte hat. Bernd Rumpf ist als Noah den weitaus größten Teil im Einsatz, wobei er eine sehr intensive Sprechweise an den Tag legt, sich aber gleichsam zurücknehmen kann, um seinen Mitspielerinnen den Vortritt zu lassen. Maud Ackermann ist als Elin zu hören, sie spricht sehr authentisch und kann die psychische Erkrankung der jungen Frau damit begreifbar machen – sehr überzeugend. Auch Julia Stoepel trifft genau den richtigen Ton und bringt ihre Figur sehr gut zur Geltung, zudem kann sie die spätere Wandlung sehr glaubhaft darbieten. Anita Hopts Stimme ist in ihren Szenen sehr präsent, auch die kann ganz unterschiedliche Facetten von sich zeigen.

Passend zu der Handlung ist auch die akustische Gestaltung sehr reduziert – opulente Musikstücke hätten bei den leisen, zwischenmenschlichen Tönen auch eher gestört. Deswegen hat man sich hier ganz auf eine sachte Geräuschkulisse und die Stimmen konzentriert, was ein sehr stimmiges Gesamtpaket darstellt. Auch die Szenen am Ende sind sehr eindringlich umgesetzt worden.

Schlichtheit war ja auch seit jeher das Konzept der Titelbilder. Zu sehen ist hier eine einfache, hölzerne Schatulle, gut ausgepolstert, in der eine Tonbandaufnahme mit der Beschriftung „Noah“ zu sehen ist. Auf den ersten Blick nicht sonderlich aussagekräftig, im Laufe der Handlung erschließt sich der Sinn dahinter aber immer mehr. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es ein paar Informationen über Autor Dennis Hendricks samt Foto.

Fazit: Ein ruhiger, sehr intensiver Psychothriller, der sich auf wenige Figuren und ihre psychischen Probleme konzentriert. Diese lernt man sehr genau kennen, wobei vorerst nur wenige offensichtliche Höhepunkte eingebaut werden – die Spannung ist sehr hintergründig und kaum greifbar, aber immer sehr präsent. Die Stimmung verdichtet sich immer weiter und endet in einem unerwarteten und sehr intensiven Finale.

VÖ: 3. März 2017
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-23-0