John Sinclair Classics – 28. Die Geisterhöhle



Erster Eindruck: Pause für John Sinclair – vorerst...

Das kleine Örtchen Scalfort wird seit einigen Jahren von einer Rockerbande unsicher gemacht, die Bewohner leben in Angst vor dem Clan. Doch die Situation verschärft sich dratisch, als die Gang durch Zufall einen Dämon heraufbeschwört, denn mit neuen Kräften ausgestattet, verbreitet sie noch mehr Terror. Fast scheint das Dorf im Chaos zu versinken, doch dann taucht John Sinclair auf der Bildfläche auf...

Dass die Hauptfigur einer Serie für längere Zeit mal nicht auftaucht, ist der geneigte Hörspielhörer ja bereits aus anderen Produktionen gewohnt. Doch für die 28. Folge der John Sinclair Classics ist das recht neu, hier konzentrierte sich die Handlung bisher sehr stark auf ihren Protagonisten. Der Hörer bekommt in „Die Geisterhöhle“ aber erst einmal die Grundsituation der Folge dargeboten, was durchaus atmosphärisch gelungen ist. Er darf hautnah dabei sein, wenn eine neue dämonische Macht entsteht, bekommt den Schrecken der Dorfbewohner sowohl vor als auch nach der Wandlung mit und lernt die Charaktere schon mal gut kennen. Dennoch ist dieser Teil etwas zu lang geraten, denn richtig los geht es eigentlich erst nach etwa zwei Dritteln der Zeit, wenn auch der Geisterjäger die Bühne betritt. Dieser Teil ist dann sehr solide erzählt, und enthält einige spannende Szenen. Dabei sind allerdings auch zahlreiche Ideen eingebaut, die so oder so ähnlich schon in einigen anderen Episoden zu hören waren, wirkliche Überraschungen bleiben dementsprechend leider aus. Dennoch: „Die Geisterhöhle“ ist atmosphärische und kurzweilige Gruselunterhaltung.

Viel zum Gelingen tragen wie immer auch die Sprecher bei, die wieder sehr gut ausgewählt wurden. Nadine Schreier bringt als Sarah beispielsweise eine sehr lebendige und eindringliche Vorstellung herüber und kann den Schrecken der jungen Frau glaubhaft darstellen. Bert Franzke ist als Muff Potter zu hören, seine tiefe Stimme bringt viel Dramatik mit sich, sodass seine Szenen bestens zur Geltung kommen. Auch Konstantin Graudus ist mit viel Energie und Engagement mit dabei, er wirkt spontan und flüssig. Weitere Sprecher sind Fjodor Olev, Nils Rieke und Jacob Weigert.

In Sachen atmosphärische Gestaltung muss sich „Die Geisterhöhle“ nicht vor ihren Vorgängern verstecken, auch hier ist alles stimmig ineinander gefügt. Die einzelnen Szenen werden wie immer von viel passender Musik begleitet, die mal dräuend im Hintergrund, mal aber auch zur Steigerung der Dramatik deutlich lauter eingesetzt wird. Ähnliches gilt für die Geräusche, die sich dynamisch anpassen.

Das Cover dieser Folge stammt natürlich wieder von Timo Wuerz, der eine wahrhaft düstere Szenerie geschaffen hat. Gitterstäbe, schwebende Kreuze, ein dämonisches Wesen mit rot leuchtenden Augen und spitzen Zähnen – das ist sehr ansehnlich geworden. Das Innere ist wieder übersichtlich aufgebaut und enthält die üblichen Produktionsinformationen.

Fazit: Lange Zeit kommt dieses Hörspiel ohne die Titelfigur aus, und auch wenn der Start atmosphärisch erzählt wurde, geht die Handlung mit seinem Auftauchen erst richtig los. Dann wird wieder in Actionszenen und einem kurzweiligen Handlungsbogen ein wahres Feuerwerk gezündet, welches die Folge gekonnt abschließt.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5247-0