Offenbarung 23 – 70. Psycho



Erster Eindruck: Die Stimme im Kopf

T-Rex wacht in einer Hamburger Nervenheilanstalt auf, kann sich jedoch nicht mehr an seinen gewalttätigen Ausbruch erinnern. Und langsam beginnt er tatsächlich zu zweifeln, ob er sich die vielen Hinweise von Tron und seinen Recherchen zu den Verschwörungstheorien tatsächlich nur eingebildet haben könnte...

Normalerweise wird eine bestimmte Verschwörungstheorie in den Mittelpunkt der Offenbarung 23-Folgen gestellt, doch Nummer 70 der Reihe geht einen anderen Weg. Kein geschichtlicher Bezug, kein aktuelles Thema, das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Vielmehr rückt T-Rex noch mehr in den Vordergrund und wird in einer gänzlich neuen Situation dargestellt, und das Thema betrifft ihn direkt. Denn plötzlich wird seine geistige Gesundheit in Frage gestellt, was ganz neue Fragen und Herangehensweisen an die Serie mit sich bringt. So sind keine der sonst manchmal recht langwierigen Interviews vorhanden, sondern in sehr interessanten Gedankenspielen das ganze Serienkonstrukt auf den Kopf gestellt. Das ist sehr reizvoll, wobei diese Szenen durch die Suche von Nolo und Kim aufgelockert werden und mehr Dynamik in die Handlung bringen. Schön ist, dass trotz der reduzierten Handlung keine Langeweile aufkommt, im Gegenteil, die Spannung zieht gegen Ende noch weiter an. Das ist ein sehr gelugenes Experiment für die Serie, die beweist, dass noch viel Potenzial in der Szenerie und den Charakteren steckt.

Alexander Turrek zeigt hier mal eine ganz andere Seite von sich und hat mich mit der fortschreitenden Verunsicherung seiner Figur vollkommen begeistert. Er legt hier alte Sprechmuster ab, sodass sich der Hörer der Hauptfigur mal von einer ganz anderen Seite zeigen kann. Uschi Hugos sehr prägnante Stimme kommt auch hier bestens zur Geltung, wobei sie einen düsteren Unterton in den sonst so hellen Klang legt. Gabrielle Peitermann hat einen sehr denkwürdigen Auftritt als Lucy und setzt ihre Stimme präzise und gekonnt ein. Weitere Sprecher sind Tobias Schmidt, Uve Teschner und Thomas Karallus.

Musik und Geräusche sind wie gewohnt eher dezent eingesetzt, verfehlen ihre Wirkung aber keineswegs und sorgen hier für eine recht düstere Stimmung. Dabei hätte ich mir allerdings eine steigende Dramatik gewünscht, die T-Rex' psychischen Verfall auch akustisch nachzeichnet. Trotz einiger stimmiger Melodien und eingebauter Geräusche liegt der Fokus allerdings voll auf den Dialogen und den Sprechern.

Auf Hermann Rorschachs berühmten Tintenklecks-Test wird auf dem Cover angespielt, das durch einen der düsteren Gebilde geziert wird. Das ist nicht nur ansehnlich und stimmig gelungen, sondern passt auch sehr gut in das Coverkonzept mit dem schwarzen Hintergrund und dem ausladenden, goldenen Schriftzug der Serie.

Fazit: Offenbarung 23 geht hier man ganz andere Wege und überzeugt mit einer dramatischen Folge, die sich nicht so offensichtlich wie sonst mit einer Verschwörung widmet, aber den Kern ihrer Hauptfigur erkundet und dabei einige psychologische Thesen hinterfragt. Das ist sehr unterhaltsam gelungen und eine der besten Folgen der Serie der letzten Zeit.

VÖ: 9. Dezember 2016
Label: Highscore Music
Bestellnummer: 978-3-7857-5362-0