Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 6. Hexenwald



Erster Eindruck: Auf den Spuren der Brüder Grimm

Der Schwarzwald verliert einiges von seinem idyllischen Anschein, als einige bestialisch zugerichtete Frauenleichen gefunden werden. Die alten Mythen der Gegend verbreiten sich wieder, die Menschen haben Angst. Auch Mycroft Holmes erfährt von den Morden und schickt Oscar Wilde allein nach Deutschland, um in dem Fall zu ermitteln. Doch ein alter Bekannter wartet dort schon ausf ihn...

Es ist schon eine beachtliche Themenvielfalt, die bisher bei der Mystery-Serie „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ präsentiert wurde, wobei sich reale Elemente mit Fiktion vermischen. Die sechste Folge der Serie bringt noch eine ganz neue Idee mit ein und verknüpft ein altes Märchen der Brüder Grimm mit dem äußerst grausamen Fall zweier Frauenmorde im Schwarzwald. Das ist sehr interessant aufbereitet und mein persönliches Highlight dieser Folge, seien es die kleinen Andeutungen während der Einführung, die vielen Anspielungen während der Ermittlungen oder die Konzentration in einer Schlüsselszene. Und auch der Fall selbst ist durchaus stimmig erzählt und hat eine klare Linie zu bieten, ist eher ein in sich abgeschlossenes Abenteuer als ein großer Wust an Geheimnissen wie in einigen vorigen Folgen. Doch leider finden sich auch hier einige Stolpersteine, was nicht nur an den erneut zu lang geratenen Dialogen liegt, sondern auch an einigen offensichtlichen Ungereimtheiten, die sich leider ziemlich offensichtlich präsentieren und so einige Fragezeichen beim Hörer entstehen lassen. Wieder wäre eine deutliche Straffung wünschenswert gewesen, auch wenn die „Hexenwald“ nach drei eher lagwierigen Folgen einen Sprung nach vorn und in die richtige Richtung gemacht hat.

Sascha Rotermund beweist, dass er als Oscar Wilde auch allein und ohne Mycroft Holmes sehr gut funktioniert, seine spitzzüngigen Kommentare und die immer hervorblitzende Scharfsinnigkeit machen ihn auch hier zu einem sehr interessanten Hauptcharakter. Jaron Löwenberg kehrt als Abel Hawthorne zum Cast zurück, auch hier liefert er eine sehr saubere und glaubhafte Leistung ab, allerdings wäre eine noch prägnantere Gestaltung der Rolle schön gewesen. Michael Pans unverkennbare Stimme ist als Konrad Wagner sehr gut in die Atmosphäre der Handlung integriert. Weitere Sprecher sind Bernd Stephan, Sven Dahlem und Anita Hopt.

Ein großer Pluspunkt der Serie ist nachwievor die sehr stimmige atmosphärische Gestaltung, die jede Szene in ein passendes Licht taucht. Immer eher düster, bedrückend und geheimnisvoll werden sehr hübsche Melodien eingebaut, die nicht nur die Szenenübergänge, sondern auch die Dialoge gelungen gestalten. Die Geräuschkulisse könnte hier manchmal noch etwas vielfältiger sein, doch auch diese ist insgesamt stimmig.

Ein einsames Holzhaus mitten im Wald, davor ein Mann mit Zylinder und Gehstock – das Cover der Folge fängt die Stimmung der Folge gut ein und ist mit seinem Detailreichtum und den erdigen Farben ansehnlich gestaltet. Die restliche Gestaltung bietet keine zusätzlichen Informationen, die Sprecherliste auf dem Backcover ist dabei aber wieder gesetzt.

Fazit: Ein interessanter Fall, eine sehr gelungene Verknüpfung zu dem Märchen, eine stimmige Einbettung in die bisherigen Erkenntnisse der Serie – viele gelungene Elemente, die jedoch durch ein zu lang geratenes Drehbuch und einige Seltsamheiten wieder abgeschwächt werden. Doch insgesamt ist eine Steigerung zu den Vorgängen festzustellen.

VÖ: 18. November 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5325-5