H.P. Lovecraft: Innsmouth / Cthulu



Erster Eindruck: Zwei bekannte Geschichten in hakeliger Umsetzung

Cooper, ein junger und unbefangener Student, kommt in dem kleinen Küstenstädtchen Innsmouth an, um seine Genforschungen nachzukommen. Trotz der eindringlichen Warnungen den alteingessenen Zadok Allen mietet er sich in einem Hotel ein... (Innsmouth)
Nach dem Tod seines Onkels erfährt Angell einiges über dessen Leben. Scheinbar war er besessen von einem alten Mythos über ein schreckliches Wesen, das bei einer bestimmten Sternenkonstellation wieder aus dem Meer heraufsteigen soll. Ist er dem Wahn verfallen oder steht der Untergang der menschlichen Rasse kurz bevor? (Cthulu)

H.P. Lovecraft hat zahllose Horror-Geschichten verfasst, die auch nach seinem Tod 1937 noch zahlreiche Menschen faszinieren. Zwei seiner bekanntesten Geschichten – um die unheimliche Küstenstadt Innsmouth und den mächtigsten der Alten Cthulu – wurden vom SWR im Jahr 1995 als Radiohörspiel vertont. Dank Pidax kann man sich diese Rarität nun auch wieder gemütlich zu Hause anhören, denn die beiden Umsetzungen sind auf einer MP3-CD bei dem engagierten Label erhältlich. Beide dauern jeweils unter einer dreiviertel Stunde, sodass natürlich stark gekürzt werden musste. Das ist nicht immer ganz gelungen, wenn man die Geschichten nicht im Original kennt – einige wichtige Zusammenhänge werden dadurch leider nicht ganz deutlich, sodass öfter Verwirrung aufkommen dürfte. Kennt man den Inhalt bereits, bekommt man aber eine recht stimmige Atmosphäre geboten, die die einzelnen Szenen stimmig ausmalt, nur muss man dann eben einiges Hintergrundwissen parat haben. Leider leidet die Spannung hier deutlich und hätte prägnanter herausgearbeitet werden können, die eigentliche Höhepunkt wird in beiden Produktionen recht verkappt und ohne wirklichen Höhepunkt umgesetzt. Natürlich ist es ambitioniert, die beiden umfangreichen Geschichten in so kurzer Zeit zu erzählen, aber tatsächlich wurde die Essenz der Originale herauskristallisiert – allerdings nicht immer ganz sauber.

Die Sprecher sind leider einigen Qualitätsschwankungen unterworfen, Licht und Schatten wechseln sich hier an. Gut gefallen hat mir beispielsweise Wolfgang Reinsch als Zadok Allen, der in Innsmouth einen sehr intensiven Bericht über die dortigen Verhältnisse abliefert und die Stimmung dabei bestens einfangen kann. Edwin Noel ist als Cooper zu hören, auch er klingt dynamisch und authentisch, er kann das aufkommende Grauen gut darstellen. Klaus Barner hat mir als Angell hingegen nicht sonderlich gefallen, er klingt oft zu emotionslos und eher wie ein unbeteidigter Erzähler. Weitere Sprecher sind Jochen Nix, Arnold Richter und Walter Sittler.

Leider ist die akustische Qualität nicht auf aktuellem Stand, was aber nicht an der Musik oder den Geräuschen liegt – diese sind durchaus stimmig und unterstützen die Geschichten in ihrer Wirkung. Vielmehr sind es die starken Schwankungen in der Lautstärke und in den teilweise viel zu leise gestellten Dialoge, die einem das Zuhöen erschweren und so auch den Genuss des Hörspiels trüben.

Die wie immer recht schlichte Aufmachung des Labels enthält hier alle wesentlichen Produktionsinformationen zu beiden Teilen, auf der Rückseite ist noch ein kleiner Text über deren Entstehung zu lesen. Das Titelbild ist sehr stimmungsvoll geraten und zeigt Motive aus beiden Geschichten, die in blau-grünliches Licht getaucht sind und dabei sehr unheimlich wirken.

Fazit: Diese Produktion ist wohl eher etwas für Liebhaber, und diese können sich dann auch an den atmosphärischen Umsetzungen der beiden Geschichten im Kurzformat erfreuen. Neulingen im Lovecraft-Universum sei hier eher abgeraten, die starke Kürzung und insbesondere die stark schwankende Lautstärke erschweren eher das Hören als einen wirklichen Erzählfluss entstehen zu lassen.

VÖ: 1. Juli 2016
Label: Pidax
Bestellnummer: 4260158198745