Hanni und Nanni – 53. außer Kontrolle



Erster Eindruck: Taschenspielertricks und Streitereien

Weil die Lehrerinnen ihrer Schule allesamt krank geworden sind, nimmt der Lindenhof drei Schülerinnen aus einem anderen Internat auf. Schnell freunden sich die Mädchen mit den Bewohnerinnen des Lindenhofs an, nur Hanni hat schnell Bedenken gegen das Trio – und insbesondere gegen deren Anführerin Mimi, die bei einem Hütchenspiel schon bald um Geld wettet...

Ging es in einigen der vorigen Folgen von Hanni und Nanni äußerst modern und mit aktuellen Themen versehen zu, kehrt Folge 53 nun zu den Ursprüngen der Serie zurück und spiel fast ausschließlich auf dem Lindenhof, konzentriert sich auf die Schülerinnen und einige Unruhestifterinnen. So entsteht schnell eine vertraute Atmosphäre, in der die Geschichte flüssig erzählt werden kann. Hannis Sorgen weiten sich immer mehr aus, sie gerät sogar in Streit mit ihrer Zwillingsschwester (aber klar, dass die beiden sich schnell wieder versöhnen), aber die ist in einer Zwickmühle, weil sie die Mädchen auch nicht einfach verpetzen will. Das ist schon recht stimmig erzählt, auch wenn das Verhalten einer Lehrerin eher unglaubwürdig ist – insbesondere bei den Konsequenzen, die sich für sie dabei ergeben. Zudem ist die Folge von Anfang an sehr durchschaubar, und auch ungeübte Zuhörerinnen wird es nicht überraschen, dass Mimi ein falsches Spiel mit den Lindenhofmädchen treibt. Die Auflösung des ganzen ist dann immerhin stimmig erzählt, auch wenn sich hier weitere kleine Ungereimtheiten ergeben. Sei es drum: Wegen der hübschen Atmosphäre auf dem Lindenhof und der kurzweilig erzählten Handlung kann „Hanni und Nanni außer Kontrolle“ durchaus überzeugen.

Henrike Fehrs ist hier in der Rolle der Mimi zu hören, ihre forsche Art ist überzeugend, und auch der leicht hinterhältige Unterton, der sich in ihr freundliches Auftreten schleicht, ist sehr angebracht für diese Rolle. Regine Lamster ist als Hanni wieder sehr stark, sie setzt das durchsetzungsstarke Mädchen sehr präsent in Szene. Erzähler Lutz Mackensy spricht seine kurzen Erzählparts wieder mit angenehmer Stimme und einer lebendigen Betonung. Weitere Sprecher sind Antje Otterson, Franciska Friede und Regina Lemnitz.

Solide ist auch wieder die akustische Umsetzung von Europa, die vor allem von den eingebauten Geräuschen lebt. Diese unterstützen die Dialoge in ihrer Wirkung oder sorgen schlicht für eine heimelige Atmosphäre. Auch die Musik ist stimmig ausgewählt, wobei wieder in die bunte Mischung aus dem Europa-Archiv zurückgegriffen wurde. Manchmal ist diese allerdings eine Spur zu laut eingestellt.

Hanni beobachtet skeptisch das Treiben am Tisch von Mimi und ihren Freundinnen, auch Nanni ist bei ihnen – auf dem Cover wird eine Szene aus dem Hörspiel im typischen, nostalgischen Zeichenstil gezeigt, die sich gut in den rosafarbenen Rand mit den kleinen Bildausschnitten einfügt. Diese Idee wird auch auf dem Backcover und im Inneren noch einmal wiederholt.

Fazit: Auch wenn die Folge einige Ungereimtheiten bietet und etwas zu vorhersehbar ist, wird durch die angenehme Grundstimmung eine solide Folge erzeugt. Auch der Streit zwischen den Mädchen wird gekonnt inszeniert und wieder gelöst, ebenso wie sich die neuen Charaktere gelungen in das bisherige Geflecht einfügen.

VÖ: 18. November 2016
Label: Europa
Bestellnummer: 888751832626