Geister-Schocker – 55. Das Werkzeug des Bösen



Erster Eindruck: Manischer Wissenschaftler und roter Nebel

Harold Perry, ein recht erfolgloser Wissenschaftler, kommt mit den Forschungen in seinem Privatlabor nicht voran. Da taucht plötzlich ein unheimlicher Unbekannter auf, der ihm ein Geschäft vorschlägt: Er verrät ihm eine Formel für eine chemische Substanz, die ihn reich, berühmt und erfolgreich machen wird. Als Gegenleistung will der Fremde lediglich die erste Flasche des Serums haben. Nach kurzem Zögern willigt Harold ein...

Mit „Das Werkzeug des Bösen“ hat Romantruhe-Audio mal wieder bewiesen, dass die Geister-Schocker, eine Gruselreihe mit jeweils in sich abgeschlossenen Episoden, sich nicht an ein vorgegebenes Schema hält. Gerade in den ersten Szenen, in denen das Geschehen lediglich von den beiden oben genannten Protagonisten bestimmt wird, trifft dies zu. Die langen Nächte im Labor und die unheimlichen Zusammentreffen mit dem Fremden strahlen eine sehr düstere Atmosphäre aus, auch wenn die zahlreichen Selbstgespräche von Harold ein wenig aufgesetzt wirken. Auch im weiteren Verlauf schleichen sich Aussagen ein, die unnatürlich wirken und besser durch einen neutralen Erzähler hätten übernommen werden können. Dennoch ist diese Folge sehr gelungen, denn das ungewöhnliche Setting und einige sehr interessante Wendungen sorgen trotz des bekannten Themas für einen sehr kurzweiligen Verlauf. Auch die Idee, die hinter dem Auftauchen des Dunklen steht, ist sehr gelungen und sorgt für sehr markante und stimmige Szenen. Es gefällt mit zudem, wie im Laufe der Handlung mehrere Hauptfiguren untergebracht werden. Eine runde und sehr hörenswerte Folge, in der lediglich einige Passagen sprachlich ungeschliffen wirken.

Harold Perry wird von Aart Veder gesprochen, der eine sehr gelungene Leistung abliefert. Die Manie des Wissenschaftlers setzt er ebenso gekonnt um wie den späteren Schrecken als er erfährt, was er mit seinem Handeln angerichtet hat. Wolfgang Rositzka ist als Inspector Coraner zu hören, sein energiegeladenes Auftreten und der glaubhafte Ausdruck in seiner Stimme sind sehr überzeugend. Am Besten gefallen hat mir allerdings Hans-Eckart Eckhardt als Unheimlicher, der sehr freundlich und galant, aber eben auch düster und bedrohlich wirkt - ein sehr interessanter und gelungener Auftritt. Weiterhin zu hören sind Dirk Hardegen, Rüdiger Schulzki und Manja Doering.

Im Gegensatz zu anderen Folgen ist diese Folge schon fast dezent umgesetzt, nur wenige Geräusche und Musik wird hier eingesetzt. Diese wirken dann aber sehr effektiv und können eine sehr dichte und eingängige Atmosphäre erzeugen, in der die düstere Stimmung im nächtlichen London sehr gut zur Geltung kommt. Der leichte Stimmverzerr-Effekt vom Unheimlichen tut ihr Übriges, um die Handlung gut wirken zu lassen.

In der Geschichte wird der Unheimliche als fast unkenntlich und gesichtslos beschrieben, auf dem Cover ist jedoch ein behaartes Monster mit Hörnern und hervorstehenden Zähnen zu sehen, das eher melancholisch als bedrohlich-düster wirkt. Im Inneren gibt es wieder Zusatzinfos zu zahlreichen Mitwirkenden, dazu wie immer ein gut zu lesender Text über eine fast vergessene Filmperle.

Fazit: Eine sehr stimmige Umsetzung des zugrunde liegenden Heftroman, die trotz einiger sprachlicher Merkwürdigkeiten sehr unterhaltsam und unheimlich geraten ist. Besonders die Figur des Fremden steht dabei prägnant im Mittelpunkt, während sich die Handlung immer weiter entwickelt.

VÖ: 10.Juli 2015
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-131-0