Sherlock Holmes – Die neuen Fälle – 19. Die Untoten von Tilbury



Erster Eindruck: Holmes und das Zombieviertel

Der Bericht von Hinkebein-Harry, einem eher erfolglosen Kleinkriminellen, weckt schnell das Interesse von Sherlock Holmes, zu fantastisch dieser auch klingen mag: In der Nähe des Londoner Hafens, wo er schnelles Geld witterte, hat er angeblich lebende Tote gesehen, die dort ihr Unwesen treiben. Gemeinsam mit Dr. Watson macht sich der Meisterdetektiv an die Recherchen...

Ja, Zombies sind momentan wieder ziemlich in. So in, dass auch Andreas Masuth das Thema für eine Sherlock Holmes-Folge nutzen wollte. Wie er die höchst rational angelegte Figur von Sir Arthur Conan Doyle mit dem übersinnlichen Thema kombiniert hat, ist schon höchst erstaunlich und passt überraschenderweise bestens zueinander. In den anfänglichen Szenen, besonders im Bericht von dem gelungen dargestellten Hinkebein-Harry wird dies mit einer düsteren, unheimlichen Ausstrahlung umgesetzt. Die späteren Ermittlungen von Holmes schlagen zwar immer wieder kurz in diese Richtung, hier ist aber insgesamt wieder ein sehr gelungener Mittelteil entstanden, der mit prägnanten Figuren und einem kurzweiligen Verlauf überzeugen kann. Besonders die Rolle des Dr. Watson gefällt mit hier wieder sehr gut, der mit seiner charmant-humorigen Art die ernste Szenerie immer wieder auflockern kann. Das Finale der Geschichte ist wiederum geschickt erzählt und führt alle vorher gestreuten Hinweise zu einem sehr passenden und bestens inszenierten Ende, das sicherlich lange im Gedächtnis haften bleiben wird.

Gerald Paradies ist in der Rolle des Hinkebain-Harry zu hören und kann den anfänglichen Bericht mit seiner auffallenden sehr atmosphärisch und spannend darbieten. Sandrine Mittelstädt ist als Mary Nevison zu hören, die sie sehr energiegeladen und mit einer eingängigen, glaubhaften Betonung umsetzen kann. Auch Frank Glaubrecht macht als mürrischer Hafenmeister eine sehr gute Figur und kann der Szenerie zusätzliche Stimmung verleihen. Weitere Sprecher sind Arne Eldholtz, Matti Wien und Alexis Krüger.

Für die akustische Umsetzung hat das Produtkionsteam eine recht stimmungsvolle Variante gewählt, die gerade bei dieser übernatürlich angehauchten Vorlage sehr gut zur Geltung kommt. Dies wurde mit einigen sehr passenden Musikstücken erzielt, bei denen ein klassisches Cello immer wieder hervorspringt und die Szenerie dominiert. Und auch die vielen eingebauten Geräusche sorgen für eine dichte, spannungsgeladene Atmosphäre.

Die Titelillustration von Lidia Beleninova gefällt mir wieder außerordentlich gut, die ihre kleinen Kunstwerke immer wie alte Gemälde wirken lässt und den Covern so etwas außergewöhnliches verleiht. Zu sehen sind Holmes und Watson im nächtlichen Tilbury, die auf eine gesichtslose Menschenmenge zugehen. Die interessante Farbgebung mit zahlreichen Kontrasten ist dabei sehr gelungen.

Fazit: Sicherlich die Holmes-Folge mit dem bisher ungewöhnlichsten Thema, doch fügt sich alles sehr stimmig zusammen und wird zudem sehr flüssig und spannend erzählt. Der leise Humor und der gut erzählte Mittelteil werden immer wieder von sehr stimmungsvollen Szenen ergänzt. Sehr hörenswert!

VÖ: 24.Juli 2015
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-089-4