Sherlock Holmes: Die neuen Fälle – 14. Der bibelfeste Mörder



Erster Eindruck: Konfrontationen mit Lestrade

Ein grausamer Mörder versetzt die Londoner Gesellschaft in Angst und Schrecken. Des nachts tötet er Männer auf offener Straße, entfernt ihnen die Zunge und hinterlässt an nahegelegenen Wänden Bibelsprüche. Auch Sherlock Holmes wird hier auf den Plan gerufen, denn ein guter Bekannter des Meisterdetektivs ist ebenfalls unter den Opfern. Und so ermittelt er bald parallel zu Inspector Lestrade – und gerät immer wieder mit ihm aneinander...

Inspector Lestrade gehörte auch bei Sir Arthur Conan Doyle zum Interieur der Sherlock Holmes-Geschichten und hat es durch einige Auftritte zu etwas Berühmtheit gebracht. Auch in der Nachfolgeserie mit neuen Fällen von Romantruhe Audio kommt der Scotland Yard-Inspector vor, in der 14. Folge „Der bibelfeste Mörder“ hat er gleich einen großen und bedeutenden Anteil an der Folge – allerdings eher, indem er Holmes und Watson in ihrer Arbeit behindert und stichhaltigen Beweisen des Detektivduos ablehnend gegenübersteht. Die Bissigkeit, mit der sich Holmes und Lestrade hier begegnen, hat mich etwas überrascht, bringt aber auch mehr Kraft und Energie in die Handlung. Diese ist in sich gut konstruiert, wobei sich hier nacheinander auf viele kleine Aspekte des Falles konzentriert wird, wobei der umfassende Blick auf das Ganze lange ausbleibt. So kommt die endgültige Überführung des Täters dann auch etwas überraschend, hier hätte ich mir einen größeren Fokus gewünscht. Holmes' Charakter wurde noch deutlicher in den alles wissenden oder zumindest alles ahnenden Übermenschen geschoben, was in der ansonsten sehr spannenden und gut geschriebenen Schlussszene etwas befremdlich wirkt. Ansonsten ist viel Positives zu berichten, viele gelungene und unterhaltsame Elemente bestimmen das Bild und sorgen für einen dynamischen Verlauf der Handlung.

Die Handlung legt noch deutlicher den Mittelpunkt des Interesses auf Holmes, Watson und eben Lestrade, die Nebenrollen von Tobias Meister, Klaus-Peter Hoppe, Fabian Kluckert und Helmut Krauss sind insgesamt jedoch gut gelungen. Christian Rode spricht den Holmes wieder mit viel Energie, einer großen Portion Überheblichkeit und viel Scharfsinn kann er ein scharfes Bild des Meisterdetektivs zeichnen. Der wunderbare Peter Groeger spricht Watson wieder mit viel Charme und einer gewissen Verdutztheit, er spielt Holmes immer wieder die Bälle zu, ohne dabei selbst unterzugehen. Lutz Harder als ziemlich sturer und kurzsichtiger Inspector Lestrade setzt hier gekonnt Kontrapunkte und kann sich dabei geschickt in der Folge platzieren.

Die akustische Untermalung der Folge ist wieder recht zurückhaltend gestaltet und legt den Fokus deutlich auf die Dialoge. Doch gerade während der dramatischeren Szenen gegen Ende treten auch mal etwas vordergründige und auffälligere Musikstücke auf, die prägnant Akzente setzen. Die Geräuschkulisse ist ebenso eher hintergründig, dafür gut platziert und mit glaubhaften Sounds gestaltet.

Das Cover zeigt eine Szene, die im Hörspiel nur angedeutet wird und Holmes des nachts in einem Leichenschauhaus zeigt. Die finstere Beleuchtung wird durch eine Kerze und angedeutetem Lichtschein unterbrochen, was interessante Kontraste ergibt. Der Zeichenstil, der an alte Gemälde erinnert, ist wieder ein echter Blickfang geworden und weckt Assoziationen zur viktorianischen Zeit, in der die Folgen spielen.

Fazit: Ein gut konstruierter Fall mit einigen starken Elementen und einer spannend erzählten Auflösung. Der Konflikt zwischen Holmes und Lestrade lenkt hiervon zwar etwas ab, ist aber sehr unterhaltsam eingebaut. Auch geht mir die Enttarnung des Täters etwas zu schnell, die kleinteiligen Ermittlungen haben mit aber gut gefallen. Insgesamt eine durchaus gelungene Folge.

VÖ: 17.Oktober 2014
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-084-9