Der Engelsturm – Das Geheimnis der großen Schwerter 4 (Tad Williams)



Erster Eindruck: Der Abschluss des Fantasy-Epos

Der große Kampf zwischen dem zum Ritter aufgestiegenen einstigen Küchenjungen Simon und seinem Widersacher, dem machthungrigen Elias lenkt unaufhaltsam auf den großen Höhepunkt zu, als Simon auf der Suche nach den beiden fehlenden großen Schwertern erneut ist das Labyrinth unter dem Engelsturm gerät, aus dem er am Anfang seiner Reise nur knapp entkommen konnte. Und auch die anderen entscheidenden Figuren dieses Krieges strömen zum Hochhorst…

Deutlich über 32 Stunden liegen vor dem geneigten Hörer, will er sich auch den vierten und letzten Teil des großen Fantasy-Epos von Tad Williams zu Gemüte führen – über 108 Stunden (!) lang hat er sich dann schon den Abenteuern von Simon, Josua und Miriamel gewidmet. Da ist der Abschluss natürlich eine Pflicht, auch wenn eigentlich schon lange klar ist, dass das Gute siegt, dazu ist die Fantasy-Geschichte zu klassisch. Doch der Weg dorthin ist noch steinig gepflastert, Simon muss noch zahlreiche harte Rückschläge und Kämpfe wegstecken, die Brisanz der Geschichte nimmt noch einmal deutlich zu. Und auch einige überraschende Enthüllungen hält Tad Williams noch bereit, einige Figuren aus seinen Romanen legen ihre Maske ab und erscheinen in einem ganz neuen Glanz. Hier erschließen sich die Hintergründe der Geschichte vollständig und lassen die bisherigen Ereignisse plausibel erscheinen. Der finale Kampf, auf den alles hingefiebert hat, ist dabei überraschend kurz gehalten und wirkt überstürzt geschildert – nach der langen und sehr ausführlich geschilderten Handlung hätte man hier einige Minuten mehr erwartet. Das trübt das Gesamtbild aber nur wenig, denn bis dorthin erlebt der Hörer wieder eine sehr eindringliche, packende Geschichte voller spannender Höhepunkte und interessanter Entwicklungen. Dieser vierte Teil wird den vorigen drei völlig gerecht, kann noch einmal neue Facetten und Farben präsentieren (die allesamt ziemlich düster sind) und weitere Stunden gekonnt unterhalten.

Andreas Fröhlich liest natürlich auch den abschließenden Teil dieses Vierteilers und schließt an die sehr gute vorige Leistung an. Seine Stimme ist hier sehr wandlungsfähig und greift jede Stimmungsschwankung der Handlung auf, und sei sie auch noch so klein. So entsteht eine sehr dynamische und wendungsreiche Stimmung, die auch überraschen kann, wenn Fröhlich spannungsgeladene Passagen sehr energiegeladen präsentiert. Auch die wörtliche Rede der Charaktere kann er treffend sprechen und verleiht jedem seinen eigenen Charakter.

Wer das Cover betrachtet, bekommt schon einen gehörigen Wissensvorsprung und kennt zumindest ein zentrales Element des Romans. Das ist etwas schade, da ein potenzieller Überraschungseffekt verloren geht. Dennoch ist das fantastische Bild des brennenden und in sich zusammenfallenden Turmes mit dem düsteren Himmel und der geheimnisvollen Gestalt im Vordergrund ein Hingucker und sehr passend gewählt.

Fazit: Ein beeindruckender, packender und sehr gut erzählter Schlussteil für die epische Geschichte um Simon. Williams hat sich noch einmal zahlreiche Wendungen einfallen lassen, die den Hörer in ihren Grundfesten erschüttern werden und einige Charaktere ganz anders darstellen. Der finale Kampf gerät da etwas in den Hintergrund, ist aber durchaus spannend geschildert. Der harte Weg von Simon nimmt hier noch einmal an Schärfe zu und kann dabei wunderbar und düster unterhalten.

VÖ: 16.Dezember 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3867179805