Porterville – Staffel 1



Erster Eindruck: Von der Außenwelt abgeschnitten

Porterville, eine Kleinstadt, ist hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Denn außerhalb der Grenzen lauert das „Draußen“, in dem einen der Schmerz von allen Seiten angreift und in dem man kaum fünf Minuten überleben kann. Die Einwohner sind dem Bürgermeister hörig, und nur wenige wagen es, ihm zu widersprechen – was immer unabsehbare Folgen zu haben scheint. Doch einige Erdbeben öffnen die Grenzen in die Stadt und lassen das Draußen immer mehr herein…

Porterville ist als Nachfolgeserie von Darkside Park zu sehen, gleicht sich im Konzept, eine Mystery-Geschichte um einen geheimnisvollen Ort aus der Sicht von ganz unterschiedlichen Personen zu erzählen. Doch so sehr die beiden Geschichten auch miteinander verwoben sind, so viele Anspielungen auf Darkside Park es auch in Porterville gibt, so eigenständig und einzigartig sind die beiden Projekte auch. Neben den E-Book-Versionen von Porterville gibt es mittlerweile auch die erste Staffel mit sechs Kurzgeschichten bei Folgenreich auf 2 MP3-CDs. Alle Geschichten sind mit Porterville verknüpft, eine Stadt, die aus einer düsteren Zukunftsvision entsprungen scheint. In der ersten Folge wird die Stadt gekonnt und beängstigend dargestellt, doch im Laufe der Zeit fügen sich immer neue Details hinzu, die ein umfassendes und erschreckendes Bild ergeben. Gehirnwäsche, Essensrationierung und die scheinbar allgegenwärtige Angst vor dem Draußen sind stimmungs- und wirkungsvolle Elemente hiervon. Um diese Dystopie werden die einzelnen Geschichten gestrickt und stellen immer mehr Fragen nach dem geheimnisvollen Ort. Dabei wird dem Hörer auch immer wieder häppchenweise ein Brocken einer Auflösung zugeworfen, den er lechzend aufnimmt und sogleich neue Fragen gestellt bekommt. Dabei werden einige mysteriöse, übersinnliche Dinge eingebaut, die wunderbar rätselhaft sind und dem Hörer keine Ruhe lassen. Langsam fügen sich einzelne Puzzlestückchen zusammen und erlauben einen flüchtigen Blick auf das Gesamtbild – was umso erstaunlicher ist, da jede Geschichte eine eigene Hauptfigur hat und die anderen Handlungen höchstens am Rande streifen. Jede Geschichte steht auch für sich selbst und erzählt beispielsweise von dem mutigen Mädchen Emily, die Geheimgänge ins Draußen entdeckt, einem Doktoranden, der ein lukratives Jobangebot bekommt, das aber einen großen Haken hat oder um Jefferson Prey, der im Geheimen eine Verschwörung gegen den Bürgermeister plant. Die Geschichten haben zudem verschiedene Autoren und unterscheiden sich dementsprechend in Stilistik, Charakterdarstellung und Tempo, sodass sechs ganz individuelle, gelungene Geschichten entstehen, die aber nur zusammen ihren ganzen Reiz entfalten.

Die Sprecher sind hervorragend ausgewählt und schaffen es ebenso, ihren Figuren Leben einzuhauchen als auch die Stimmung der düsteren Handlung einzufangen. Gleich zu Beginn begeistert Leyla Rohrbeck mit ihrem ganz eigenen, ungewöhnlichen Klang und zieht so alle Aufmerksamkeit auf Emily, ihre Gefühle und Ängste. Benjamin Völz schafft es, mit seiner dunklen, eindringlichen Stimmung eine eindrucksvolle Szenerie zu schaffen und hat ein untrügliches Gespür für das richtige Timing, setzt die Höhepunkte der Geschichte grandios um. Die wunderbare Luise Helm ist herausragend in der fünften Geschichte „Die Akte Tori“, ihre immer etwas melancholisch klingende Stimme schafft auch hier eine eindringliche Grundstimmung. Weitere Sprecher sind Charles Rettinghaus, Jürgen Thormann und Simon Jäger.

Die Gestaltung des Hörbuches ist sehr gut gelungen. Das Titelbild ist sehr düster, eine unheimliche Seitenstraße wird finster beleuchtet, darin steht ein junger Mann, das Gesicht im Schatten verborgen, eine Kapuze weit über den Kopf gezogen. Im Inneren des Pappschubers verbirgt sich ein stabiles Digipack, hier werden die einzelnen Folgen kurz mit passenden Fotos vorgestellt, zudem ist in dem kleinen Booklet eine ausführliche Trackliste zu finden.

Fazit: Die verschiedenen Autoren schaffen es unter der Schirmherrschaft von Ivar Leon Menger, eine sehr düstere, erschreckende und spannende Atmosphäre zu schaffen. Die Geschichte setzt sich durch die verschiedenen Handlungen puzzleartig und sehr langsam zusammen, was den eigentlichen Reiz dieses Projektes ausmacht. Mir hat Porterville sogar noch besser gefallen als Darkside Park!

VÖ: 13.Dezember 2013
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602537463190