Nach dem Sommer



Erster Eindruck: Liebe mit bissigen Hindernissen

Seit ihrer Kindheit ist Grace fasziniert von dem Wolfsrudel, dass pünktlich zum ersten Frost in dem Waldstück hinter ihrem Haus auftaucht. Besonders ein Tier mit leuchtend gelben Augen hat sie in ihr Herz geschlossen. Eines Tages liegt ein angeschossener Mann vor ihrem Haus – und entpuppt sich als Werwolf Sam, eben jenem Wolf, der sich nur im Sommer in einen Menschen verwandelt. Doch im nächsten Winter wird er für immer ein Wolf bleiben...

Harry Potter hat fantastischer Jugendliteratur einen ordentlichen Aufschwung beschert, ähnlich sieht es mit Stephanie Meyers Biss-Romanen und romantischen Geschichten um Vampire aus. Eine Variation dieses Themas bietet Maggie Stiefvater mit ihrem „Nach dem Sommer“ an, in denen sich ein normales Mädchen in einen Werwolf verliebt. Das Grundgerüst mag ein ähnliches sein, dieser Roman bietet einige völlig neue Ansätze und kann sich auch in anderen Dingen von der Welle an Vampirromanen absetzen – was auch das Hörbuch, erschienen im Audio Verlag, beweist. Schon die Figuren wirken völlig anders, Sam ist ein witziger und spontaner Zeitgenosse, kann den Moment genießen und ist fernab eines tragischen Rolle angesiedelt. Grace ist schlagfertig und durchsetzungsfähig, in den Begegnungen mit Sam setzt sich aber immer ihre sensible und feinfühlige Seite durch. Einige interessant angelegte Nebenfiguren, wie beispielsweise Grace' Freunde bereichern das Setting des Romans noch weiter und lassen die Situation glaubwürdig und vielschichtig wirken. Die erzählte Geschichte ist dabei dynamisch und bei weitem nicht nur auf die Liebesgeschichte ausgerichtet, es geht um Macht, Intrigen, Enttäuschungen, dem Mut sein Leben so zu akzeptieren, wie es ist. Ein geschickt verwobener Handlungsbogen kann verschiedenste Situationen zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen, viel Abwechslung kommt zu zu Stande. Besonders gefällt mir, dass der Großteil der Geschichte aus der Sicht von Grace erzählt wird, einige kürzere Passagen aber auch die Gedanken von Sam widerspiegeln. Natürlich ist „Nach dem Sommer“ ein Jugendroman, den böse Zungen als kitschig bezeichnen würden. Doch ist man offen für diese Art von Hörbuch, wird man hier mit einem besonders vielschichtigen und intensiven Exemplar belohnt, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.

Gelesen wird hier von zwei Sprechern, die beide als Synchronstimmen aus den Filmen zu den Biss-Büchern bekannt sind. Annina Braunmiller übernimmt den Hauptteil und spricht die Passagen von Grace, ihre sanfte und ein wenig wehmütige Stimme passt wunderbar zu dem Charakter, mit ihrer nuancierten Sprechweise kann die die vielen Facetten von Grace sehr genau widerspiegeln. Max Felder spricht den Werwolf Sam, auch er hat eine etwas düstere Grundstimmung gewählt, die im interessanten Kontrast zu den oft witzigen Passagen liegt. Geschickt setzt er Akzente, lässt Braunmiller aber unumstritten die meiste Aufmerksamkeit zukommen.

Ebenso wie das Buch ziert auch die Hörbuchversion eine verspielte Zeichnung, die mit einem verschnörkelten Ast an den Wald aus dem Roman erinnert, während die Silhouetten des Mädchens in Orange und des Wolfs in Schwarz einen Kontrast bilden. Leider sind auf der wirklich hübsch aufgemachten Verpackung kaum zusätzliche Infos zu finden.

Fazit: Romantisch, aber nicht kitschig wird hier eine etwas andere Liebesgeschichte mit vielen anderen Zweigen erzählt, die wirklich unterhaltsam ist.

VÖ: 25. September 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-979-3